05.09.2017 - 21:48 Uhr
Deutschland & Welt

Der Leseranwalt schreibt Der "Lügenbaron" war ein Fehlgriff

Es war die Plagiatsaffäre, die Karl-Theodor zu Guttenberg politisch straucheln ließ. Zeitungen bezeichneten ihn damals - in Anspielung an Baron Münchhausen - als "Lügenbaron". Das ist aber kein Freibrief dafür, den ehemaligen Verteidigungsminister weiterhin mit einem solchen Attribut zu "schmücken". Chefredaktion, Leseranwalt und viele Kollegen sehen das auch so. Sie waren im Nachhinein der Auffassung, dass in der Dienstags-Ausgabe auf Seite 3 ("Thema des Tages") der falsche Titel gewählt wurde.

von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

"Lügenbaron gegen Bart mit Brille", so lautete er. Die Überschrift zum Bericht über die Gillamoos-Redner Karl-Theodor zu Guttenberg und Martin Schulz hätte so nicht erscheinen dürfen, sagt Chefredakteur Norbert Gottlöber, "dafür entschuldigen wir uns". Leser störten sich ebenfalls an dem Ausdruck "Lügenbaron". Laut Duden ist das nämlich eine "Person, die verdächtigt wird, zu lügen (und zu betrügen)". Die Verwendung dieses durchaus beleidigenden Wortes in der Überschrift war auch durch den Inhalt des Artikels nicht gedeckt und zu rechtfertigen. "Lügenbaron" ist zudem wertend und damit in einer Überschrift fehl am Platze. Als Zitat war der Ausdruck im Übrigen nicht gefallen. Den "Lügenbaron" zu recyceln, nur weil früher andere Zeitungen den Begriff geprägt haben, birgt die große Gefahr einer Tatsachenbehauptung, die in dieser Form unzulässig ist.

Die Schlagzeile mit dem "Lügenbaron" als Komponente kratzt außerdem haarscharf an einer ehrverletzenden Behauptung im Sinne der Pressekodex- Ziffer 9 ("Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen").

Man muss verstehen: Eine Redaktion sucht immer nach Überschriften, die in den Text hineinziehen und Lust aufs Lesen eines Artikels machen. Dabei gelingen gute und weniger gute Titel. In diesem Fall hätte man es unbestritten besser machen können. Abschließend sei festgehalten: Die Redaktion hatte nicht die Absicht, zu Guttenberg herabzuwürdigen.

juergen.kandziora[at]oberpfalzmedien[dot]de

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