18.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Der Nervenkrieg geht weiter: Ohne Sicherheitsgarantien fährt das Rote Kreuz nicht in die ... Russischer Hilfskonvoi sitzt an Grenze fest

Kurz vor dem Grenzübergang zur Ukraine sorgten die russischen Fahrer des Hilfskonvois noch einmal für klare Sicht. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

In mattem Weiß glänzen rund 300 frisch lackierte russische Lastwagen in der Augustsonne nahe dem ukrainischen Grenzübergang Donezk-Iswarino. "Kein Schritt vorwärts, kein Schritt zurück", kommentiert das Moskauer Staatsfernsehen den Nervenkrieg um den Konvoi. Vor einer Woche ist die drei Kilometer lange Kolonne in Moskau aufgebrochen - mit Lebensmitteln, Schlafsäcken und Generatoren.

Nun stecken die Fahrzeuge ohne Kennzeichen seit Tagen fest - kurz vor Lugansk. In der Kampfzone warten Zehntausende auf Versorgung. Doch um die rund 2000 Tonnen aus Russland ist ein lähmender Streit entbrannt. Eine rein "humanitäre Hilfsaktion" nennt Moskau die Ladung, aber die Führung in Kiew sieht darin bloß "grenzenlosen Zynismus".

Kremlchef Wladimir Putin spiele mit dem Konvoi den "Wohltäter", schicke aber daneben todbringendes Kriegsgerät für moskautreue Separatisten ins Konfliktgebiet, behauptet die prowestliche Regierung.

Keine Waffen an Bord

International ist die Aufregung groß, als die Ukraine am Wochenende mitteilt, russische Armeefahrzeuge auf ihrem Gebiet vernichtet zu haben. Aber einen Beweis für die vermeintliche Attacke liefert Kiew nicht. Moskau widerspricht den Vorwürfen routiniert. Einen Lichtblick gibt es immerhin, als die Ukraine die scharf beobachtete Lastwagenladung offiziell als humanitäre Hilfe anerkennt. Es seien keine Waffen an Bord, sondern unter anderem Grütze, Fleisch und Babynahrung, bestätigt Sozialministerin Ljudmila Denissowa. Doch ohne Sicherheitsgarantien will das Rote Kreuz seine Mitarbeiter nicht mit der Lieferung durch das Kriegsgebiet schicken. Ohne Waffenruhe würden die Hilfsgüter aber ihr Ziel nie erreichen, meinen Beobachter. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich zuletzt immer wieder für eine beiderseitige Feuerpause ausgesprochen. Und sie hatte Putin in Telefonaten aufgefordert, entsprechend auf die Aufständischen einzuwirken. Mit keinem ausländischen Regierungschef hat Putin seit Beginn der Ukraine-Krise mehr gesprochen als mit Merkel. "Er schätzt sie als Realpolitikerin", meint Dmitri Trenin vom Carnegie Center in Moskau.

30 Telefonate mit Putin

Allein mehr als 30 Telefonate zählt der Rundfunksender Echo Moskwy in den vergangenen Monaten. Immer wieder betont der Kreml, dass Russland in diesem wohl schwersten Ost-West-Konflikt seit dem Ende des Kalten Krieges "zum Dialog bereit" sei. Außenminister Sergej Lawrow überlegt daher nicht lange, als sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier zum Krisentreffen am Sonntagabend in Berlin ruft.

Genau einen Monat nach dem Absturz des malaysischen Flugzeugs MH17 über der Ostukraine soll ein Gespräch mit Steinmeier, Lawrow sowie dem ukrainischen Außenminister Pawel Klimkin und dem französischen Ressortchef Laurent Fabius die Lage zumindest ein wenig entspannen. Doch nur wenige Stunden vor Beginn sorgt Klimkin für neuen Zündstoff. Er bittet die EU und die Nato mit Nachdruck um militärische Hilfe. Die Gefahr einer russischen Invasion sei allgegenwärtig, ständig würden Kämpfer und Kriegsgerät aus dem Nachbarland einsickern. Westliche Waffen für die Ukraine wären aber für Russland eine "rote Linie", warnt der Politologe Trenin.

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