06.07.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Deutschen abgeführt Türkei: Polizei nimmt Menschenrechtler fest

Istanbul/Straßburg. Die türkische Polizei hat bei einem Workshop für Menschenrechtler einen Deutschen und zehn weitere Menschen festgenommen. Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Donnerstag mitteilte, handelt es sich bei den Festgenommenen um die Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty, Idil Eser, sieben Menschenrechtsanwälte, sowie einen Deutschen und einen schwedischen Staatsbürger, die als Referenten eingeladen worden waren. Zudem sei der Direktor des Hotels, in dem der Workshop stattfand, kurzzeitig festgesetzt worden.

von Agentur DPAProfil

Die Polizei führte die Aktivisten am Mittwoch auf der Istanbul vorgelagerten Insel Büyükada ab, wie der türkische Menschenrechtsverein (IHD) und mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Der IHD teilte mit, er habe zufällig von den Festnahmen erfahren. Thema der Konferenz war nach Angaben von Amnesty "Digitale Sicherheit und Informationsmanagement". Der Türkei-Experte der Organisation, Andrew Gardner, sagte der dpa, den Anwälten sei mehr als 28 Stunden lang der Zugang zu den Festgenommenen verweigert worden.

Währenddessen dringt das EU-Parlament wegen Rückschritten bei Demokratie und Menschenrechten auf eine formale Aussetzung der Beitrittsgespräche mit der Türkei. Die Abgeordneten stimmten am Donnerstag in Straßburg parteiübergreifend und mit deutlicher Mehrheit für eine entsprechende Aufforderung an die EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde, die die Verhandlungen mit Ankara führt, ist daran rechtlich allerdings nicht gebunden.

Zu einer Suspendierung der Gespräche soll es nach dem Willen der Parlamentarier aber nur kommen, falls die Türkei die umstrittene Reform ohne Änderungen umsetzen sollte. Im November 2016 hatten die EU-Abgeordneten bereits ein informelles "Einfrieren" der Gespräche gefordert. Die EU-Länder hatten daraufhin lediglich beschlossen, keine neuen Verhandlungskapitel zu eröffnen. Gespräche über geöffnete Kapitel sind damit weiter möglich, aber de facto zum Erliegen gekommen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp