23.05.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Deutscher Ärztetag in Berlin: Schulterschluss

Der Bundesgesundheitsminister warnt zum Beginn des Deutschen Ärztetags vor Neid-Debatten. Und trifft den Ton der Mediziner. Einer Bürgerversicherung erteilt Ärztepräsident Montgomery eine Absage.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) spricht am Dienstag auf dem Deutschen Ärztetag in Freiburg. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Freiburg. Der Bundesgesundheitsminister und die Ärzte üben demonstrativ den Schulterschluss: Hermann Gröhe (CDU) macht vier Monate vor der Bundestagswahl dem 120. Deutschen Ärztetag seine Aufwartung. Und bekommt von den 250 in Freiburg tagenden Medizinern bei der Eröffnungsveranstaltung am Dienstag Rückendeckung. Ärzteschaft und Minister warnen vor Neid-Debatten im Wahlkampf. Die Bürgerversicherung, wie sie SPD, Linke, Grüne und Gewerkschaften propagieren, dient den Medizinern als Schreckgespenst.

"Es wird ein politischer Ärztetag", sagt Rudolf Henke, Chef des Ärzteverbandes Marburger Bund. Vor der Bundestagswahl und in Zeiten des Wahlkampfs komme der Gesundheitspolitik eine besondere Bedeutung zu. In Gröhe, früher CDU-Generalsekretär und seit Dezember 2013 Bundesgesundheitsminister, sehen die Mediziner einen Mitstreiter.

"Er ist einer, der fast geräuschlos agiert. Und er ist einer der fleißigsten Minister der Koalition", sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. "Wir kommen gut miteinander klar." Gröhe sei als Minister ein "erfreuliches Gegenmodell zu dem, was wir aus früheren Zeiten kennen", sagt der Funktionär, ohne Namen früherer Minister zu nennen. Zur Eröffnung des Ärztetags warnt Gröhe vor einer Missgunstdebatte. "Auch ein Wahlkampf sollte uns nicht verführen, mit Neid-Parolen über unser Gesundheitswesen herzuziehen", sagt er. "Solche unproduktiven Debatten sind völlig unangemessen." Das aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung bestehende System habe sich bewährt. Ein Zusammenlegen beider Systeme sei politisch wie finanziell ohne Sinn.

Gemeint ist die Bürgerversicherung, die Union und FDP ablehnen. Gröhe nennt sie, im Gegensatz zu Ärztepräsident Montgomery, nicht beim Namen. Doch es ist klar, was und wer gemeint ist. Gröhe trifft so den Ton der Ärzte. "Wir wollen die ärztliche Freiberuflichkeit und die freie Arztwahl der Patienten erhalten", sagt Montgomery am Rande der Tagung. "Was wir nicht brauchen, sind ein Komplettumbau unseres Versicherungssystems und verfehlte Debatten über angebliche Gerechtigkeitslücken." Und: "Wir haben das mit großem Abstand beste und gerechteste Gesundheitssystem der Welt. Aber Teile der Politik zeichnen ein falsches Bild und schüren Ängste, die unbegründet sind."

Auch ein Wahlkampf sollte uns nicht verführen, mit Neid-Parolen über unser Gesundheitswesen herzuziehen.Hermann Gröhe (CDU), Bundesgesundheitsminister
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