Die Hauptstadt am Tag danach
Schockstarre in Berlin

Der schwer beschädigte Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt. Bild: dpa

Ein Sattelschlepper rast in einen Weihnachtsmarkt in der Hauptstadt. Menschen sterben, Schwerverletzte liegen in Kliniken. Ermittler gehen von einem Anschlag aus. Berlin ist wie gelähmt.

Berlin. Das Riesenrad steht still. Am Montag leuchtete es wie ein Mandala in Gelb, Orange und Rot vor dem Roten Rathaus in Berlin. Am Dienstag sind seine bunten Lampen ausgeknipst. Niemand will sich nun den Weihnachtsmarkt von oben ansehen. Am Tag nach dem Anschlag auf den Markt am Breitscheidplatz haben die 60 Weihnachtsmärkte in der Stadt geschlossen. Flaggen wehen auf Halbmast. Leuchtreklametafeln in den U-Bahnhöfen sind schwarz.

Viele Menschen sind geschockt. Ihre Betroffenheit können auch die Teilnehmer an den Pressekonferenzen im Roten Rathaus und im Bundespressehaus nicht verbergen. "Wir sind fassungslos", sagt Michael Müller. Der regierende Bürgermeister ist "tief erschüttert". Es sei wieder ein Anschlag auf die Freiheit der Menschen in Deutschland. Denn: "Es hätte jeden treffen können." Doch die freiheitliche Gesellschaft dürfe sich nicht klein beigeben, sind sich Politiker sowie Chefs von Ämtern und Organisationen einig. Aus Pietätsgründen hat der Innensenator Andreas Geisel die Betreiber der 60 Weihnachtsmärkte in Berlin gebeten, Buden und Fahrgeschäfte am Dienstag zu schließen. Silvesterpartys in Berlin sollen stattfinden, das Sicherheitskonzept werden die Behörden überarbeiten. "Der schlimmste Fall ist eingetreten", sagte Polizei-Chef Klaus Kandt. Künftig will er die Weihnachtsmärkte von Polizisten mit Maschinenpistolen beschützen lassen. Außerdem sollen Betonpoller um die Plätze herum errichtet werden. In der Stadt will er die Polizeipräsenz sichtbar erhöhen. Doch das Risiko eines Anschlags bleibe bestehen: "Wir können Weihnachtsmärkte nicht zu Burgen ausbauen." Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es nicht.

Weinende Menschen

Während der Pressekonferenzen trauern Menschen am Breitscheid- und am Pariser Platz, zünden Kerzen an, legen Blumen nieder, weinen. Wie der Eiffelturm vor über einem Jahr wird nun das Wahrzeichen von Berlin in den Nationalfarben angestrahlt. Das Brandenburger Tor leuchtet für die Opfer in Schwarz, Rot, Gold.

Wir können Weihnachtsmärkte nicht zu Burgen ausbauen.Berlins Polizei-Chef Klaus Kandt
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