03.04.2018 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Die "lieben Freunde" Putin und Erdogan unter sich Russland baut in der Türkei nicht nur ein Atomkraftwerk

Ankara. Trotz wachsender Sorge im Westen treibt der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Annäherung des Nato-Partners Türkei an Russland voran. Erdogan und der russische Präsident Wladimir Putin vereinbarten am Dienstag bei einem Treffen in Ankara einen Ausbau der Zusammenarbeit auf zahlreichen Feldern, darunter im Verteidigungsbereich. Putin sagte, Russland wolle sein Raketenabwehrsystem S400 früher als bislang geplant an die Türkei liefern - scharf kritisiert von den USA.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Bild: Burhan Ozbilici/dpa
von Agentur DPAProfil

Dass die erste Auslandsreise seines "lieben Freundes" Putin seit dessen Wiederwahl in die Türkei geführt habe, unterstreiche die Bedeutung der bilateralen Beziehungen, lobt Erdogan. Vor ihren bilateralen Gesprächen hatten die beiden Staatschefs den Startschuss für den Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei gegeben, das federführend vom russischen Staatskonzern Rosatom errichtet wird. Das AKW Akkuyu soll 2023 in Betrieb gehen, zwei Jahre später sollen alle vier Reaktoren am Netz sein. Dann soll das AKW mehr als zehn Prozent des Energiebedarfs der Türkei abdecken. Die Baukosten werden auf 20 Milliarden Dollar (16,2 Milliarden Euro) geschätzt.

Erdogan kündigte an, die Handels- und Tourismusbeziehungen zu Russland auszubauen. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern sei im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 22 Milliarden Dollar gewachsen. Ziel sei es, dieses Volumen auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. Einen Zeitrahmen dafür nannte Erdogan nicht. Der türkische Präsident sagte weiter, im vergangenen Jahr seien mehr als 4,7 Millionen russische Touristen in die Türkei gekommen - die größte Gruppe der Urlauber.

Anlass für Putins Besuch ist ein Dreier-Gipfel zum Syrien-Krieg in Ankara an diesem Mittwoch, an dem auch der iranische Präsident Hassan Ruhani teilnimmt. Bei dem Treffen soll es um die sogenannten Deeskalationszonen, die humanitäre Lage und die Bemühungen um eine neue Verfassung für Syrien gehen.

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