07.05.2018 - 22:34 Uhr
Deutschland & Welt

Die Post und die Befristungen Wovon träumt Olaf Scholz?

Die Post schaut also auch auf Fehlzeiten, wenn sie über die Weiterbeschäftigung ihrer befristeten Mitarbeiter entscheidet? Der eigentliche Aufreger ist in diesem Zusammenhang aber die Entrüstung, die Bundesfinanzminister Olaf Scholz wegen dieser gelben Geschäftspraxis an den Tag legt. Glaubt der Mann wirklich, andere Personalabteilungen hätten nicht die Fehlzeiten im Auge, wenn sie über Verträge entscheiden? Wenn ja, ist der Mann weit von jeder Realität; wenn nicht, muss er sich den Vorwurf der Heuchelei gefallen lassen.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil
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Wenn man der Post etwas vorwerfen möchte, ist es fehlende Flexibilität. In bester bürokratischer Tradition hat der frühere Staatsbetrieb nämlich die maximal erlaubte Fehlzeit festgeschrieben. Das führt dazu, dass gute Kräfte gehen müssen, weil sie sich zum falschen Zeitpunkt ein Bein brechen. Kollegen mit lockerer Arbeitsmoral bleiben, weil sie nur 19 statt der erlaubten 20 Mal fehlen.

Wie lange sich die Post den Luxus noch leisten kann, Verträge nicht zu verlängern, steht angesichts des leer gefegten Arbeitsmarkts ohnehin in den Sternen. Solange dies möglich ist, gilt, dass bei allen sozialen Komponenten die Marktwirtschaft den Leistungsgedanken in den Mittelpunkt stellt: Wer mehr tut und seltener krank ist, hat bessere Chancen. Das kann man kritisieren und ändern wollen. Aber so zu tun, als wäre man davon überrascht, ist ein Armutszeugnis - vor allem für einen Bundesfinanzminister.

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