06.05.2018 - 22:36 Uhr
Deutschland & Welt

Die SPD sucht nach neuen alten Vorbildern Von Karl Marx lernen? Denken ist das neue Googeln

Von einem guten Klassiker lernt man mehr als von 100 mittelmäßigen Aufsätzen", empfahl unser Politikprofessor Mathias Schmitz. Der Max-Weber-Verehrer ist des Marxismus unverdächtig. Dennoch war die Ikone mit dem Rauschebart, die heuer 200 Jahre alt würde, Pflichtlektüre.

Das Buchcover «Grüß Gott! Da bin ich wieder! Karl Marx in der Karikatur» erschienen im Eulenspiegel Verlag. Bild: Eulenspiegel Verlag/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Und tatsächlich: Im Kommunistischen Manifest von 1848 findet sich vieles, was auch wir heute laut beklagen: Die Auflösung alter Werte, von Familien- und Religionszugehörigkeiten. Karl Marx beschreibt scharfsinnig die Globalisierung und ihre Folgen. Die Errichtung einer gerechten kommunistischen Herrschaft gerät dennoch zum Fiasko. Doch so wenig Jesus für die Kreuzzüge kann, ist Marx haftbar für Stalins Gulags.

Tut die SPD also gut daran, wenn sie sich auf den genialen Denker, der so schlecht mit Geld umgehen konnte, besinnt - nach dem Motto: Denken ist das neue Googlen? Wenn die Sozialdemokraten Menschen begeistern wollen, brauchen sie entschieden mehr Tiefgang. Das Aufzählen sozialer Missstände ist keine Lizenz zum Wahlsieg.

Marx dachte trefflich über die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts nach. Nahles & Co. sollten sich mit der Gegenwart befassen: Welche Rolle kann Europa zwischen den alten und neuen Supermächten einnehmen? Was bedeutet es wirklich, Fluchtursachen in den Herkunftsländern zu bekämpfen - und wie viel Kapitalismus verträgt diese Erde noch? Nur einige Fragen, für die niemand ein Patentrezept hat. Nur Mut!

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