31.08.2017 - 22:04 Uhr
Deutschland & Welt

Duell zwischen Schulz und Merkel Schulz muss punkten

Für Martin Schulz ist Angela Merkel jene Frau, die in der "Air Force One" über den Wolken schwebt, abgehoben, ohne Bodenhaftung. Kann er sie beim TV-Duell vor Millionenpublikum zur Landung zwingen?

von Agentur DPAProfil

Berlin. Kann er seine Emotionen im Zaum halten? Der SPD-Chef ist ganz schön aufbrausend, wenn er provoziert wird. Oder zeigt Merkel doch mal Nerven? Bis jetzt hat die Kanzlerin alle Angriffe des Herausforderers an sich abtropfen lassen. Teflon-Merkel eben. Schon während und kurz nach dem Ende des einzigen TV-Duells im Wahlkampf werden die Demoskopen versuchen, die entscheidende Frage zu beantworten: Wer geht am Sonntagabend als Sieger aus dem Studio in Berlin-Adlershof?

Auf Schulz liegt der größte Druck: Viele halten den direkten Schlagabtausch mit Merkel für seine vielleicht letzte Chance, den Umfrage-Trend bis zum 24. September zu drehen. Seit Wochen liegt die SPD wie festgenagelt rund 15 Punkte hinter der Union. Viele Wähler sind nach einem schlappen Wahlkampf unentschlossen. Die früheren TV-Duelle zeigten jedoch: Die Show beeinflusst die Wählergunst kaum.

Zwei Moderatoren-Paare von ZDF, RTL, ARD und Sat1 befragen Merkel und Schulz. Schon um die Modalitäten gab es Streit. Merkel drohte, gar nicht erst anzutreten, falls die Sender wie geplant das Format verändern, um mehr Drive in den 90-Minuten-Schlagabtausch zu bringen. Am Ende setzte sie sich durch. Schulz sieht sich benachteiligt - und wird von Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bestätigt, der den Merkel-Leuten Erpressung vorwarf: "Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf." Fest steht, die Antworten sollen jeweils nicht länger als 60 bis 90 Sekunden sein - unter dem Strich reden beide gleich lang. Weder Merkel noch Schulz dürfen etwas in die Kameras halten. Highlight des Duells 2013 war aber Merkel schwarz-rot-goldene "Schlandkette".

Auf der Agenda des Abends dürfte wenig Überraschendes zu finden sein: Abgas-Affäre, Terror, Türkei, Trump, Putin, Nordkorea, Aufrüstung, Flüchtlinge. Von Schulz wird erwartet, dass er einen Schwerpunkt beim Sozialen, den Renten, der Bildung setzt. Für Merkel dürften die Gerechtigkeits-Themen die schwierigsten sein. Sie weiß: Hier kann sie gegen Schulz kaum gewinnen.

Anders könnte es bei den internationalen Themen sein: Da setzt die Kanzlerin auf ihre Erfahrung mit den schwierigen Männern der Welt. Vielleicht noch wichtiger als die Inhalte sind beim Duell Gestik, Mimik und Tonfall. Verheddert sich ein Kandidat in Details, schwitzt, stottert er? Knöpft sich der Herausforderer die Kanzlerin richtig vor? Am vergangenen Wochenende wechselte Schulz in den Attacke-Modus, warf Merkel ziemlich aggressiv Abgehobenheit vor. Solche persönlichen Angriffe sind oft ein schmaler Grat: Übertriebene Härte kann abstoßend wirken.

Seit einiger Zeit steht ihm der frühere Schröder-Vertraute und Ex-"Bild"-Vize Bela Anda zur Seite. Die Kanzlerin - es ist ihr viertes Duell - dürfte wieder auf ihre Medienberaterin Eva Christiansen und auf ihren Sprecher Steffen Seibert setzen, der früher beim ZDF moderierte. Schulz habe im SPD-Umfragetief gezeigt, dass er eine Kämpfernatur ist, heißt es anerkennend in Merkels Reihen.

Außerdem dürfte Schulz zugute kommen, dass er sich endlich im direkten Vergleich mit Merkel präsentieren kann. Ihre Taktik dürfte sein, nicht über jedes Stöckchen zu springen, sich nicht in Kleinkriege um Details verstricken zu lassen.

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