31.03.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ehemaliger deutscher Stützpunkt in Nordafghanistan gleicht Geisterstadt - Von Oberpfälzern im ...: Der Verfall des Feldlagers Kundus

Im August wurde im deutschen Feldlager in Kundus hektisch gebaut: Damals entstand für rund 350 000 Euro quer durch den Stützpunkt eine Mauer. Sie grenzt den Teil, der von der afghanische Armee genutzt wird, von dem Bereich der Bereitschaftspolizei ab. Bild: paa
von Agentur DPAProfil

Gleich zwei Bundesminister reisten vor einem halben Jahr nach Kundus, um den Afghanen feierlich das deutsche Feldlager zu übergeben. Rund 250 Millionen Euro hatte Deutschland in die Infrastruktur des Camps investiert, 14 Millionen davon noch im Jahr vor dem Ende des Bundeswehr-Einsatzes in der nordafghanischen Stadt. Die Minister überreichten symbolisch zwei Holzschlüssel, die Bereitschaftspolizei (Ancop) und die Armee (ANA) übernahmen je eine Lagerhälfte. Die Bundeswehr zog ab, die Afghanen zogen ein. Heute ist das Feldlager in einem beklagenswerten Zustand.

An der Einfahrt erinnert noch ein verwittertes Schild an das ehemalige deutsche Wiederaufbauteam (PRT). "Herzlich Willkommen" steht dort. Die Ummantelung der Sprengschutzwälle ist eingerissen, Kies quillt aus den Löchern heraus. Wo einst Panzerfahrzeuge und schwer bewaffnete Soldaten das Lager sicherten, sitzen nun zwei Ancop-Polizisten auf einer Bank in der Sonne beim Mittagessen.

Straßen im Lager haben sich abgesenkt, vor eine der Gefahrenstellen haben die Afghanen ein von den Deutschen zurückgelassenes mobiles Halteverbotsschild als Warnung aufgestellt. Der Asphalt hat Risse, die Wassergräben neben den Wegen sind eingebrochen. Bäume und andere Pflanzen vertrocknen.

Gebäude versiegelt

Die meisten Gebäude - darunter die beschusssichere Verpflegungshalle und die Wohn- und Bürocontainer - wurden nach dem Bundeswehr-Abzug vom afghanischen Innenministerium versiegelt. Sie stehen leer. Aus dem Innenministerium in Kabul heißt es, es sei immer noch nicht endgültig entschieden, wie das Camp weiter genutzt werden solle. Einst platzte das Feldlager mit mehr als 1400 deutschen und Hunderten weiteren Isaf-Soldaten aus allen Nähten. Heute, eine halbes Jahr nachdem die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" das Lager an die Afghanen übergeben habt, wirkt das Camp wie eine Geisterstadt, die dem Verfall preisgegeben wurde.

Nur knapp 130 Polizisten sind auf der Ancop-Hälfte untergebracht - und sie sind nicht glücklich. "Das Hauptproblem sind Wasser und Strom", sagt der Vizekommandeur der Ancop-Kompanie, Leutnant Asis Rehman. Im Winter seien viele Rohre geborsten. Seit zwei Tagen gebe es gar kein Wasser, ansonsten fließe es meist für etwa eine Stunde am Tag. Dann würden seine Männer Wassertonnen auf Vorrat auffüllen. Zugleich würden wegen der lecken Leitungen Teile des Camps überschwemmt.

Rehman führt die Besucher durch die Unterkünfte seines Trupps in dem Teil des Lagers, in dem einst die Ortskräfte der Bundeswehr wohnten. Zu zehnt liegen die Ancop-Polizisten in den Zimmern, in denen weder Klimaanlagen noch Zentralheizung oder Lichtschalter funktionieren. Die Toiletten sind wegen des Wassermangels in einem unbeschreiblichen Zustand. Vor der Küche dient ein alter Tischfußballtisch des Typs "Turnierkicker Profi" als Schuttablage.

In einem Raum deutet Rehman auf Kessel und andere Gerätschaften. "Was ist das?", fragt er ratlos. Es ist die Heizungsanlage, wie aus den ausschließlich deutschen Beschriftungen hervorgeht. Der "Schaltschrank Heizung" ist aufgebrochen, der Schlüssel fehlt - wie zu drei von den vier Trafo-Containern, in denen die Lösung für die rätselhaft langen Stromausfälle liegen könnte.

Was mit den Generatoren ist, die die Deutschen vor ihrem Abzug noch installierten? Der Offizier weiß es nicht, das Dieseldepot ist aber ohnehin versiegelt. "Die Menschen, die diese Systeme installiert haben, sind nicht hier", sagt Rehman. "Wir kennen diese Systeme nicht und können niemanden fragen." Er will gerne glauben, dass seinen Vorgängern im Lager alles von den Deutschen erklärt wurde. Weitergegeben worden sei dieses Wissen aber nicht, sagt er.

Rufe nach Unterstützung

Er wolle die Deutschen darum bitten, die Afghanen beim Unterhalt des Camps zu unterstützen, sagt Rehman. "Sonst wird hier in einem Jahr alles beschädigt sein." Auch aus dem Innenministerium in Kabul klingen auf Anfrage entsprechende Anliegen an die Deutschen an. Die Bundeswehr will darauf aber auf gar keinen Fall eingehen - sie verweist darauf, dass die Afghanen bei der Übergabe schließlich auch die Verantwortung für das Lager übernommen hätten.

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