Einigung mit syrischer Regierung
Rebellen räumen Aleppo

Ist das die Wende im syrischen Bürgerkrieg? Aleppo soll nun vollständig unter Kontrolle von Assads Streitkräften stehen. Zuvor hatten sich die Rebellen mit dem Regime überraschend auf einen Abzug geeinigt.

Damaskus. (dpa/epd) Die syrischen Regierungstruppen haben nach erbittertem Kampf die vollständige Kontrolle über die Großstadt Aleppo übernommen. Das sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin am Dienstag in New York. Die Gefechte im Osten der Stadt seien beendet, nun beginne die humanitäre Versorgung der Menschen. Die Rebellen hatten sich zuvor mit dem Regime auf einen Abzug der Kämpfer und Zivilisten geeinigt. Aus Regierungskreisen hieß es, sie sollten die Stadt in Richtung der von oppositionellen Milizen kontrollierten Provinz Idlib verlassen. Unklar war zunächst, ob auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra) abzieht. Die Armee und verbündete Milizen hatten im November eine Offensive begonnen.

Der Abzug bedeutet einen wichtigen Sieg für die syrische Regierung im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert nun wieder alle großen Städte des Landes. Beobachter rechnen trotzdem nicht damit, dass der Bürgerkrieg bald endet. Rebellen beherrschen unter anderem die Provinz Idlib. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Norden und Osten Syriens noch große Gebiete unter Kontrolle.

Weil die Rebellengebiete seit Monaten unter Blockade stehen, spitzte sich die humanitäre Lage dort immer mehr zu. Bis zum Schluss sollen noch Zehntausende Menschen in wenigen Vierteln Ost-Aleppos ausgeharrt haben. Es fehlt ihnen an Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Syrien sprach von katastrophalen Zuständen. Aktivisten befürchteten zudem Vergeltungsakte, sollten sie in die Hände von regierungstreuen Truppen geraten. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte teilte mit, Truppen des Assad-Regimes hätten mindestens 82 Zivilisten umgebracht, darunter Frauen und Kinder.

"Es bricht einem das Herz"

Nach Berichten über Gräueltaten der vorrückenden syrischen Armee wuchs international die Sorge um die Menschen im Osten Aleppos. Kanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, die Lage sei desaströs: "Sie bricht einem das Herz", betonte sie bei einem Treffen mit dem französische Präsidenten François Hollande. Der UN-Sicherheitsrat in New York trat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. "Wir alle haben die Menschen in Syrien bislang kollektiv hängenlassen", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Hollande warf Russland vor, den Sicherheitsrat mit seinem Veto zu blockieren. (Kommentar)
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