26.01.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

eMPÖRUNG IN mEXIKO Dicker Hals

Der Mauerbau-Erlass von US-Präsident Donald Trump sorgt für Wut und Fassungslosigkeit in Mexiko. Präsident Peña Nieto beugt sich dem Druck und sagt seine Reise zu Trump ab.

US-Grenzpolizist Eduardo Olmos patrouilliert am Zaun an der Grenze zwischen USA und Mexiko in San Diego. Schon heute ist die Grenze zwischen beiden Ländern umfangreich gesichert. Die Pläne der USA, eine Mauer zu errichten, stoßen in Mexiko auf Widerstand. Bilder: dpa
von Agentur DPAProfil

Mexiko-Stadt. Nach einer Reihe von Provokationen aus Washington hat der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto ein für kommenden Dienstag geplantes Treffen mit US-Präsident Donald Trump wegen dessen Anordnung zum Bau einer Grenzmauer abgesagt. Das teilte das Präsidialamt am Donnerstag mit. Politiker verschiedener Parteien und Intellektuelle hatten ihm geraten, angesichts der derzeitigen Lage nicht in die USA zu reisen. Ex-Außenminister Jorge Castañeda sagte im Radiosender Formula: "Es scheint unmöglich, diese Dinge (Mauerbau) derzeit mit Trump zu verhandeln." Der frühere Präsident Vicente Fox bekräftigte mit gewohnt unkonventionellen Worten: "Mexiko wird nicht für diese Scheiß-Mauer zahlen." Das Treffen war für den 31. Januar geplant. Vor seiner Entscheidung wollte Peña Nieto eigenen Angaben zufolge den Bericht seines derzeit in Washington weilenden Außenministers Luis Videgaray abwarten, auch Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo verhandelt dort derzeit mit der US-Regierung.

Kosten: 40 Milliarden Dollar

Angesichts der Eskalation hat sich das amerikanisch-mexikanische Verhältnis, das lange vor allem von guten wirtschaftlichen Beziehungen geprägt war, dramatisch verschlechtert. "Ich bedauere und missbillige die Entscheidung der US-Regierung, den Bau einer Grenze fortzusetzen, die uns seit Jahren mehr teilt als eint", hatte Peña Nieto in einer Fernsehansprache gesagt. "Mexiko glaubt nicht an Mauern." Zuvor hatte Trump per Dekret den Weg zum Bau einer 40 Milliarden Dollar teuren Grenzmauer freigemacht. Die Mauer soll illegale Einwanderung und Drogenschmuggel stoppen. Finanziert werden soll sie mit einer Steuer über 20 Prozent auf alle mexikanischen Importe. Das sagte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer. Einzelheiten nannte er zunächst nicht.

Dekret ein Affront

"Ich habe es ein ums andere Mal gesagt: Mexiko wird nicht für die Mauer bezahlen", versicherte Nieto, dem in der Heimat ein zu weicher Kurs vorgeworfen wird. Den Mexikanern in den USA sagte er Unterstützung zu. Trump hatte angekündigt, hart gegen Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis durchzugreifen. In den Vereinigten Staaten leben Schätzungen zufolge rund elf Millionen illegale Einwanderer, etwa die Hälfte von ihnen sind Mexikaner. Dass Trump sein Mauer-Dekret ausgerechnet am Mittwoch unterzeichnete, werteten viele in Mexiko als Affront. Denn zugleich waren die Minister Videgaray und Guajardo in die US-Hauptstadt gekommen.

Der mexikanische Historiker Enrique Krauze sprach dem Portal "El Universal" zufolge von der größten historische Herausforderung seit dem amerikanisch-mexikanischen Krieg von 1846 bis 1848, der im Verlust großer Landgebiete an die USA endete. Die Schriftstellerin Elena Poniatowska meinte: "Was eine Drohung war, ist nun Realität". Mexiko sei einem der größten Konflikte seiner Geschichte ausgesetzt.

Trump will auch das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada mindestens neu verhandeln, droht aber auch mit einer Aufkündigung, was in einem Handelskrieg enden könnte.

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