Entlassung des Kurienkardinals
Gerhard Ludwig Müller kritisiert den Papst

Kardinal Gerhard Ludwig Müller während einer Predigt im Dom in Mainz. Bild: Andreas Arnold/dpa

Passau. Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat erstmals die Umstände der Nicht-Verlängerung seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation kritisiert. In einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag) sagte er, Papst Franziskus habe ihm seine Entscheidung am letzten Tag seines Mandats "innerhalb einer Minute mitgeteilt", ohne Gründe zu nennen. "Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren", fügte Müller hinzu. Auch für den Umgang mit Mitarbeitern in Rom müsse die Soziallehre der Kirche gelten.

Auf die Frage nach seinem momentanen Verhältnis zum Papst verwies Müller auf Aussagen von Franziskus selbst. Dieser habe gesagt, "dass das Verhältnis persönlich immer sehr gut war". Dies könne er, Müller, bestätigen. "Das gilt auch heute noch." Der Papst habe diese Entscheidung getroffen, die ihm auch zustehe. "Ich werde darauf nicht mit irgendwelchen Aktionen antworten." Er wolle sich nicht "vor den Karren einer papstkritischen Bewegung spannen" lassen, auch wenn manche daran dächten. "Ich habe als Kardinal weiterhin die Verantwortung, für die Einheit der Kirche zu sorgen und Polarisierungen so weit wie möglich zu verhindern."

Eine neue konkrete Aufgabe hat Müller nach eigenem Bekunden noch nicht. Dem Papst bot er sich in dem Interview als Vermittler für ein Gespräch mit den drei noch lebenden Kardinälen an, die öffentlich Zweifel an der Ehelehre von Franziskus angemeldet hatten. Der vierte Unterzeichner eines entsprechenden Briefes, Kardinal Joachim Meisner, war am Mittwoch im niederbayerischen Bad Füssing verstorben.

Müller sagte, er könnte ein solches Gespräch zwischen den drei Kardinälen und dem Papst moderieren, "weil ich die Kompetenz und auch das Verantwortungsbewusstsein dafür habe". Der ehemalige Glaubenspräfekt sagte, ihm wäre lieber gewesen, wenn der Brief der Kardinäle mit ihren Zweifeln nicht öffentlich diskutiert worden wäre. Er selbst habe sich "nie auf die eine oder andere Seite geschlagen", sondern sei immer loyal zum Papst gewesen und wolle es auch in Zukunft bleiben.

Die bisher vorgelegten Interpretationen zum päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia", unter anderem vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn und von Kardinal Walter Kasper, bezeichnete Müller als "nicht überzeugend". Ein großes Symposium "von wirklichen Fachleuten" könnte aber dafür sorgen, dass der Spagat zwischen Lehre und Pastoral gelinge.

Kardinal Müller erzählte, er habe noch am Vorabend von Meisners Tod mit diesem am Dienstag telefoniert. "Er sagte mir, dass er sich gesundheitlich gut fühle, zeigte sich aber sehr besorgt über die Situation in der katholischen Kirche." Dass der Papst ihn, Müller, als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert habe, habe Meisner "persönlich bewegt und verletzt".
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