27.11.2017 - 17:30 Uhr
Deutschland & Welt

Entscheidung der EU-Staaten: Glyphosat bleibt weitere fünf Jahre im Handel

Nach monatelangem Hin und Her steht nun fest: Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat darf auch künftig in Europa verkauft werden. Dass Deutschland das mittrug, entzweit die noch amtierende Koalition.

Der Unkrautvernichter Glyphosat wird weltweit genutzt. Entwickelt wurde der Wirkstoff vom Konzern Monsanto, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Archivbild: Patrick Pleul/dpa
von Agentur DPAProfil

Brüssel. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat soll noch fünf Jahre in Europa auf dem Markt bleiben. Die EU-Länder billigten das am Montag mehrheitlich. Dass letztlich auch Deutschland zustimmte, führte aber sofort zu offenem Streit in der noch amtierenden Bundesregierung. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zeigte sich empört über Agrarminister Christian Schmidt (CSU). Die Verlängerung ist nicht nur bedeutend für Landwirtschaft und Verbraucher, sondern auch für den deutschen Chemiekonzern Bayer, der den Glyphosat-Erfinder Monsanto übernehmen will. Glyphosat ist ein Unkrautgift und wird weltweit eingesetzt. Einige Wissenschaftler sehen ein Krebsrisiko. Mehr als eine Million Bürger in der EU haben gegen eine weitere Zulassung des Mittels unterschrieben.

Hendricks erklärte nach der Entscheidung, sie habe Schmidt noch am Montag telefonisch "eindeutig erklärt, dass ich mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden bin, auch nicht unter bestimmten Konditionen". Damit sei klar gewesen, dass sich Deutschland hätte enthalten müssen. Das habe Schmidt per SMS bestätigt. Der aus dem Agrarministerium entsandte Vertreter Deutschlands stimmte dann aber doch zu.

Schmidt verteidigte dies. "Mit unserer heutigen Zustimmung zur weiteren Zulassung von Glyphosat für fünf Jahre konnten wir wichtige Bedingungen durchsetzen", sagte der CSU-Politiker der "Rheinische Post". Er nannte unter anderem die "Stärkung der Rolle von Biodiversität und Tierschutz". Schmidt argumentiert, die Kommission hätte die Zulassung auch ohne Rückendeckung der EU-Länder verlängert, dann aber "ohne diese Bedingungen". Deutschland werde "zusätzliche Maßnahmen im Sinne restriktiverer Anwendungen ergreifen".

Das Genehmigungsverfahren hatte sich monatelang hingezogen, unter anderem, weil sich Deutschlands wegen des Streits zwischen Hendricks und Schmidt immer wieder enthalten hatte. Erst in einem Vermittlungsverfahren am Montag klappte es dann doch mit der nötigen qualifizierten Mehrheit: Nach Angaben der Kommission stimmten 18 Mitgliedstaaten für eine Verlängerung um fünf Jahre, neun dagegen, ein Land habe sich enthalten.

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