27.02.2018 - 17:48 Uhr
Deutschland & Welt

Entscheidung in Krisensitzung Essener Tafel sucht mit Rundem Tisch nach Lösungen

Die Essener Tafel nimmt vorerst nur Deutsche neu in ihre Kartei auf. Die Aufregung ist groß, sogar die Kanzlerin bezieht Stellung. Am Dienstag traf sich der Vorstand zur Krisensitzung. Kann es ein Runder Tisch nun richten?

Jörg Sartor (links), Vorsitzender der Essener Tafel, und Peter Renzel, Essener Sozialdezernent. Bild Roland Weihrauch/dpa
von Redaktion OnetzProfil

Essen. (dpa/KNA) Nach massiver Kritik am Aufnahmestopp für Ausländer will die Essener Tafel die Verteilung ihrer Lebensmittel an Bedürftige neu organisieren. Ein Runder Tisch mit Wohlfahrtsverbänden und Migrantenorganisationen soll binnen zwei Wochen zu Beratungen zusammenkommen. Das sagte der Essener Sozialdezernent Peter Renzel nach einer Krisensitzung des Vereinsvorstands.

Als ihre "Kernzielgruppe" sehe die Tafel vor allem Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern. Den umstrittenen vorübergehenden Aufnahmestopp für Ausländer hob der Vorstand aber zunächst nicht auf. Der Verein in Essen - einer von bundesweit Hunderten - gibt Lebensmittelspenden kostenlos an registrierte Empfänger von Sozialleistungen weiter.

Die Essener Tafel stellt neue Kundenkarten zum Empfang von Lebensmitteln seit dem 10. Januar bis auf weiteres nur noch für deutsche Staatsbürger aus. Begründet wird dies mit einem hohen Ausländeranteil von 75 Prozent, weshalb sich etwa viele Ältere nicht mehr wohlfühlten und das Hilfsangebot nicht mehr wahrnähmen. Der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor hatte gerade bei jungen Migranten teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet. Auch fehle manchem die hierzulande übliche "Anstellkultur" in der Schlange, sagte er.

Sozialverbände, Politiker verschiedener Parteien und auch Tafeln anderer Bundesländer hatten das Vorgehen der Essener Tafel teilweise massiv kritisiert. Auch die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel missbilligte am Montag die Entscheidung. Die CSU hielt dagegen. Es dürfe nicht sein, dass "die, die angestammt berechtigt sind" durch respektloses Verhalten anderer von der Tafel ausgeschlossen würden, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt am Dienstag in Berlin. "Es ist richtig, dafür zu sorgen, dass es nicht zu einer Verdrängung kommt an der Tafel."

Unterdessen wertete die Nationale Armutskonferenz den Aufnahmestopp als "Alarmsignal". Dieser zeige "überdeutlich, wie groß die Zahl derer ist, deren Existenzminimum nicht zum Leben reicht", erklärte Sprecherin Barbara Eschen in Berlin. Die Tafeln dürften nicht länger "Ausputzer der Nation" sein. Die Nationale Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss aus Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und deutschlandweit tätigen Fachverbänden und Betroffeneninitiativen.

Am Wochenende hatten Unbekannte Türen und Fahrzeuge des Vereins mit Parolen wie "Nazis" beschmiert. Der Vereinvorsitzende Sartor hatte sich zuletzt frustriert gezeigt. "Es hat mir hier immer Spaß gemacht. Aber ich habe keinen Bock mehr, man verliert einfach die Lust", hatte er der "Bild"-Zeitung gesagt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.