27.02.2018 - 21:04 Uhr
Deutschland & Welt

Entscheidung zur Groko fällt am Sonntag Kühnerts Kampf und Nahles' Angst

Showdown in der SPD: Falls Juso-Chef Kühnert die Kampagne gegen eine Groko zum Erfolg führt, könnte er ungewollt Kandidat für den Parteivorsitz werden - anstelle von Nahles. Egal, wie es ausgeht: Er wird ein wichtiges Gesicht beim "Wiederaufbau" der SPD.

Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert könnte in der SPD eine große Karriere bevorstehen. Bild: Kay Nietfeld/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Kevin Kühnert, der Juso-Chef, ist Wortführer der Kampagne gegen eine Große Koalition. Er glaubt fest an einen Sieg der Koalitionsgegner bei dem Mitgliedervotum der SPD. Die designierte Parteichefin Andrea Nahles rechnet dagegen mit einem Ja zur dritten Koalition als Juniorpartner von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Am Sonntag wird das Ergebnis verkündet. Wenn es schiefgeht, wird es wohl nichts mit Nahles als erster Vorsitzenden in 154 Jahren Sozialdemokratie. Sie gibt sich in diesen Tagen entspannt, aber sie weiß: Ein Nein wäre dramatisch.

Das Verdienst der Jusos ist, dass die SPD diskutiert wie seit Jahren nicht. Kühnert hat dem SPD-Nachwuchs eine Bedeutung gegeben, wie er sie lange nicht mehr hatte. Ihm geht dabei all das Rebellische früherer Juso-Chefs ab, Andrea Nahles war zum Beispiel krawalliger unterwegs. Ob er selbst SPD-Chef werden könnte, eine eigene Partei gründen oder gerne in den Bundestag einziehen würde: Solche Fragen findet Kühnert abwegig. "Das ist mir so was von egal", sagt er der dpa. Ihm gehe es allein um die Sache. Aber langsam dürfte auch Kühnert dämmern, dass er bei einem Sieg des Nein-Lagers der Kandidat für den SPD-Vorsitz sein könnte - eigentlich müsste Nahles ihn vorschlagen. Aber er schließt kategorisch aus, beim Parteitag am 22. April in Wiesbaden als Kandidat für den Parteivorsitz anzutreten. "Meine Rolle ist die des Juso-Vorsitzenden."

In Wiesbaden soll Nahles zur SPD-Chefin gewählt werden - wenn es ein Ja zur Groko gibt. Es gibt ein paar Gegenkandidaten aus den hinteren Reihen, aber bislang keine ernstzunehmende Konkurrenz. "Ich schätze Andrea Nahles, und wir müssen dankbar sein, dass es überhaupt noch jemanden gibt, der sich ernsthaft dieses mörderische Amt zutraut", sagt Kühnert. Ob er insgeheim sogar auf ein Ja zur Groko hofft? Denn sonst könnte sich sein Leben noch radikaler ändern als bisher schon.

Aber egal wie es ausgeht: Nach seinem Aufstieg zum Jungstar der Partei führt an Kühnert kein Weg vorbei. Das lassen auch die Parteioberen längst erkennen. Er wird mit Sicherheit prominent eingebunden in das Projekt "neue SPD". Schließlich muss die SPD-Spitze die jungen Mitglieder bei der Stange halten. Und einen Neubeginn braucht die Partei in jedem Fall - Kühnert war es, der den Druck dafür mit seiner Kampagne massiv erhöht hat.

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