Entsetzen nach Attacke auf Journalistin Daphne Caruana Galizia
Autobombe tötet Bloggerin auf Malta

Die Journalistin Daphne Caruana Galizia fiel einem Anschlag zum Opfer. Bild: Malta Independent/dpa

Valletta. Der Autobombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hat in Europa großes Entsetzen ausgelöst. Die Bloggerin war am Montag gestorben, als ein an ihrem Wagen deponierter Sprengsatz explodierte. Auch einen Tag nach der Tat waren die Hintergründe weiter unklar. Der Sohn der 53-Jährigen machte der Regierung in Valletta schwere Vorwürfe.

Caruana Galizia hatte der Regierung unter Joseph Muscat Korruption vorgeworfen und mit immer neuen Enthüllungen im Frühling eine Krise ausgelöst, die zu einer Neuwahl führte. Über die Grenzen Maltas hinaus erregte die dreifache Mutter Aufsehen mit der Enthüllung, eine in den "Panama Papers" erwähnte Firma gehöre Muscats Frau. Muscat hatte dies als "glatte Lüge" bezeichnet. Im Februar 2016 hatte sie veröffentlicht, was die "Panama Papers" später bestätigten: Dass Regierungsmitglieder in Panama ihre eigenen geheimen Firmen aufgezogen hatten. Der staatliche TV-Sender TVM hatte berichtet, dass die Bloggerin der Polizei vor zwei Wochen Morddrohungen gemeldet hatte. In ihrem letzten Artikel, der gut eine halbe Stunde vor ihrem Tod online ging, schrieb sie: "Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos." Galizias Sohn ist überzeugt, dass seine Mutter umgebracht wurde, weil sie zwischen dem Gesetz und denjenigen stand, die es immer wieder brachen. Es sei nicht irgendein Mord gewesen, schrieb er am Dienstag auf Facebook.

"Jedem ist bewusst, dass Frau Caruana Galizia politisch und persönlich eine meiner schärfsten Kritiker war", sagte Regierungschef Joseph Muscat nach einer Mitteilung. Dies rechtfertige aber in keiner Weise die "barbarische Tat". "In diesem Land steht Rechtsstaatlichkeit über allem und jedem", fügte er hinzu. Die EU-Kommission rief die Behörden auf, ihre Arbeit zu tun. Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen (ROG), Christian Mihr, forderte, die Verantwortlichen für dieses Verbrechen müssten schnell und ohne politische Rücksichten bestraft werden.
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