20.12.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Episode aus der Grenzgeschichte: Von der Naziherrschaft zur dauerhaften Vernunft Bunker zur Sicherung der Ostflanke

Die böhmische Grenze, die in wenigen Tagen ohne Kontrolle überquert werden kann, hat in den vergangenen 70 Jahren "viel erlebt". Dem Naziregime war sie ein Dorn im Auge. Nach 1945 wurde sie zum "Eiserne Vorhang" und seit 1989 Brücke zu einem vereinten Europa. Besondere "Erblasten"

von Autor FBBProfil

an der Grenze sind zahlreiche Bunkeranlagen, die aus Angst vor gegenseitigen Angriffen entstanden, später aber nie benötigt wurden. Nachfolgend eine Episode an dieser Grenze: die Vorbereitungen der Nazis für den Einmarsch in die Tschechoslowakei, deren Reaktion darauf und das, was davon übrig blieb.

Grenzscheine

Das Hauptzollamt Waldsassen teilte dem Bezirksamt Tirschenreuth mit: Seit 1933 sind tschechische Behörden dabei, die Ausstellung von Grenzscheinen für reichsdeutsche Personen aus politischen Gründen zu beeinträchtigen. Bezirksamtmann Adam Vogl weist am 6. Januar 1936 in einem Bericht an das Hauptzollamt Waldsassen auf Probleme hinsichtlich der Benutzung der Zollstraßen bei Hundsbach, Mähring und Bärnau und auch auf Schwierigkeiten für deutsche Grundstücksbesitzer hin, ihren Grundbesitz in Böhmen wie bisher problemlosen nutzen zu können.

Widerstandslinie

Von Bedeutung für die Grenzverhältnisse sind die folgenden Ausführungen von Bezirksamtmann Vogl: "Die Grenzpolizeistelle Eger weist zur Begründung ihrer Vorschläge (Grenzscheine) besonders auf den Bau der deutschen Widerstandslinie an der Grenze hin. Diese Widerstandslinie besteht aus einer Reihe von Bunkern mit Drahthindernissen davor. Die Existenz und die Lage dieser Bunker ist überhaupt nicht geheim zu halten, dies um so weniger, als sie hart an der Grenze liegen, zum Teil so nahe, dass sie von drüben ohne Schwierigkeiten eingesehen werden können. Die Drahthindernisse reichen zum Teil an die öffentlichen Straßen, wo sie Jedermann wahrnehmen kann."
Zu den Ausführungen von Bezirksamtmann Vogl zu "der deutschen Widerstandslinie" nachfolgender Exkurs: Die auf dem Ahornberg gelegenen Betonbunker sind Relikte der so genannten bayerisch-tschechischen Grenzstellung, die in den Jahren 1935 bis 1937 zur Sicherung der Ostflanke des Reiches anlässlich des Bruchs des Versailler Vertrags am 16. März 1935 mit dem Gesetz "für den Aufbau der Wehrmacht" gebaut wurden. Die Bauarbeiten begannen im Herbst 1935.

Sehr heikle Sache

Der Zweigverein Tirschenreuth im Oberpfälzer Waldverein schrieb am 7.11.1935 an den Hauptverein in Weiden: "Die Sache Sprungschanze beim Alten Herrgott ist insoferne fraglich geworden, weil die militärischen Bauten in der Gegend das ganze Objekt in Frage stellen und wahrscheinlich gar nicht mehr erörtert werden wird. Die Sache Befestigungen und Werbung für Fremdenverkehr ist nun bei uns heroben eine sehr heikle Sache geworden".

Dokumentation

Die Grenzstellungen entlang der bayerischen Grenze zur Tschechoslowakei umfassten 99 Anlagen. Am 13. Mai 1936 wurde die militärische Besetzung dieser Befestigungsanlagen angeordnet. Nach dem Münchner Abkommen 1938, das die Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich brachte, wurde der Abbau dieser Befestigungsanlagen am 20. September 1938 angeordnet". Bei Ahornberg ist eine umfangreiche Dokumentation zu der Bunkeranlage vorhanden.

Aufnahme in Denkmalliste

Auf Anregung des früheren Kreisheimatpflegers Franz Busl wurden die Bunker am Ahornberg in die Denkmalliste des Landkreises Tirschenreuth "als Zeugnis der Vergangenheit" eingetragen. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Bunkeranlagen aus der Zeit vor 1938 entlang der deutsch/tschechischen Grenze erbrachte folgende Standorte: Altmugl (zwei Bunker, integriert im Bierkeller und im ehemaligen Zollhaus Bärnau); im Bereich Schwarzenbach (zwei Bunkeranlagen mit Mannschafts-Unterstand); bei Ellenfeld (Panzer-Platten); bei Geisleiten/Plößberg (Geschützplatte); bei Naßgütl (ein Bunker in der Sandgrube); bei Hundsbach (ein Bunker); bei Schloppach (Geschützplatte); bei Münchenreuth (ein Bunker).

Festungsgürtel

"Der tschechische Festungsgürtel" nennt Ernst Braun in "Der Egerländer" 1999 einen Bericht, dass auf tschechischer Seite bis zum Herbst 1938 aufgrund eines Gesetzes zum Schutz der Republik und der Bildung eines obersten Verteidigungsrates 10 000 leichte und 229 schwere Anlagen einsatzfähig errichtet wurden. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht waren die Anlagen hinfällig geworden.

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