Ergebnisse der Pisa-Studie
Deutsche Schüler rangieren international im oberen Drittel

"Die Ergebnisse machen Probleme deutlich, bei denen wir seit Jahrzehnten keinen Schritt vorwärts gekommen sind." Zitat: Ursula Schroll, Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands

Der Schock saß tief: Vor 15 Jahren löste das miserable Abschneiden der deutschen Schüler bei der ersten weltweiten Schulvergleichsstudie Pisa zahlreiche Debatten um die Qualität der Bildung aus. In der Folge verbesserten sich die deutschen Schüler - bis jetzt.

Regensburg. Bei "Pisa 2015" erzielten die 15-jährigen Schüler in Naturwissenschaften und Mathematik schlechtere Ergebnisse als drei und sechs Jahre zuvor, blieben aber mit ihren Leistungen im oberen Drittel der internationalen Rangliste. Im Testbereich Lesekompetenz ging es bei der Punktzahl leicht aufwärts, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag mitteilte.

"Noch viel zu tun"

Der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Albert Rupprecht (Weiden), sagte zum Pisa-Ergebnis: "Unser Anspruch muss sein, bald an die Spitze vorzurücken. Auf dem Weg dorthin gibt es noch viel zu tun, etwa bei Mathematik und den Naturwissenschaften." Gemischte Gefühle hat Ursula Schroll. Einerseits sei es für die Lehrkräfte "ein positives Signal, dass wir uns im oberen Mittelfeld halten konnten", sagt die Oberpfälzer Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Andererseits würden die Ergebnisse Probleme deutlich machen, "bei denen wir seit Jahrzehnten keinen Schritt vorwärts gekommen sind". Sie bedauere, dass sich der Studie zufolge vergleichsweise wenig deutsche Schüler vorstellen können, einen naturwissenschaftlich-technischen Beruf zu ergreifen - das gelte insbesondere für die Mädchen. Es mangele an Lehrerinnen in Mathe, Physik und Chemie - also an weiblichen Vorbildern.

"Unwürdig und betrüblich"

Für Deutschland als "unwürdig und sehr betrüblich" bezeichnet es Schroll, dass es immer noch einen deutlichen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg der Schüler gibt. Die frühe Auslese an den Schulen ärgert hingegen Andreas Schmal, Organisationssekretär des Regensburger DGB-Büros. Er kritisiert, dass sich für deutsche Kinder die Schul- und Berufslaufbahn oft bereits in der fünften Klasse entscheidet, wenn sie sich auf Mittelschule, Realschule und Gymnasium aufteilen. Schmal plädiert dafür, dass "Risikoschüler", wie sie die Macher der Pisa-Studie nennen, frühzeitig, am besten schon im Kindergarten, individuell gefördert werden. (Seite 4)

Die Ergebnisse machen Probleme deutlich, bei denen wir seit Jahrzehnten keinen Schritt vorwärts gekommen sind.Ursula Schroll, Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands
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