13.09.2017 - 22:00 Uhr
Deutschland & Welt

Erstmals seit Mai müssen Asylbewerber zurück nach Afghanistan Häftlinge abgeschoben

Trotz Protesten von Menschenrechtsaktivisten hat Deutschland wieder ein Flugzeug mit abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan geschickt.

Risa Risjai, ein 40-jähriger Asylbewerber, kam mit einem Abschiebeflug aus Düsseldorf in Kabul an. Bild: Mohammad Jawad/dpa
von Agentur DPAProfil

Kabul. Ein Abschiebeflug aus Deutschland mit abgelehnten Asylbewerbern ist am Mittwoch in Afghanistan gelandet. Die Maschine kam morgens auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Kabul an. Es ist die erste Sammelabschiebung nach Afghanistan seit dem Anschlag vom 31. Mai in Kabul, bei dem die deutsche Botschaft schwer beschädigt worden war. Die acht Männer an Bord sind allesamt verurteilte Straftäter, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Sie seien direkt aus der Strafhaft zum Flughafen Düsseldorf gebracht worden.

Kein Verständnis

Drei der acht Häftlinge wurden vom Land Bayern abgeschoben, wie Herrmann berichtete. "Zwei sind wegen Vergewaltigung verurteilt worden, einer wegen gefährlicher Körperverletzung." Herrmann rügte Organisationen wie Pro Asyl, die selbst Abschiebungen Schwerkrimineller verhindern wollten. "Dafür habe ich null Verständnis. Jemand, der vermeintlich Schutz vor Verfolgung und Krieg bei uns sucht und dann so eine schändliche Tat wie eine Vergewaltigung begeht, hat bei uns nichts zu suchen."

Hilfsorganisationen lehnen die Abschiebungen ab, weil sie die Situation in Afghanistan wegen Anschlägen der islamistischen Taliban als lebensgefährlich einschätzen. Bisher hat Deutschland in etwa einem halben Dutzend Sammelflügen mehr als 100 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.

Ein Sprechers des afghanischen Flüchtlingsministeriums, Mohammad Asif Abbasi, hatte der Deutschen Presse-Agentur in Kabul zunächst berichtet, dass elf Personen den Flug angetreten hätten, aber zunächst nur acht aus dem Flugzeug gebracht worden seien. Nach Herrmanns Angaben haben aber nur acht Männer das Flugzeug bestiegen. Nach ihrer Ankunft hatten die Abgeschobenen nur wenig Gepäck bei sich und wirkten schlecht auf ihre neue Umgebung vorbereitet. Der 40-jährige Risa Risjai sagte, er habe zwei Jahre und acht Monate in Haft verbracht. Seine Frau hatte ihn kurz nach ihrer Ankunft in München wegen häuslicher Gewalt angezeigt. "Ich war mit einem Kumpel weg und als ich nach Hause kam, hat mich die Polizei festgenommen", sagte er. Der deutschen Regierung warf er vor, Partei für seine Frau ergriffen zu haben. "In Europa hört man Frauen mehr zu als hier", fügte er hinzu.

Demo gegen Abschiebung

Mohammad Jamschedi sagte, er sei völlig grundlos zurück geschickt worden. Der 20-Jährige gab an, er sei in Deutschland im Gefängnis gewesen. Zum Haftgrund wollte er sich nicht äußern. Auf dem Düsseldorfer Flughafen hatten am Dienstagabend Menschenrechtsaktivisten gegen die Abschiebung demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 180 Demonstranten an der Aktion. Die Demonstranten hatten sich in der Abflughalle versammelt. Auf Transparenten und Schildern hieß es: "Abschiebungen stoppen" und "Keine Abschiebungen in den Tod".

Pro Asyl hält den Abschiebeflug für ein Wahlkampfmanöver. "Man will ein Signal der Härte setzen, um kurz vor der Bundestagswahl im flüchtlingsfeindlichen Milieu nach Stimmen zu fischen", sagte der Geschäftsführer der Organisation, Günter Burkhardt in Berlin.

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