"Es ist schwer zu fassen, wie die Menschen überlebt haben"
Evakuierung von Aleppo läuft an

Grüne Busse als Zeichen der Hoffnung: Bei einer ersten Fahrt sollen knapp 1000 Menschen aus Ost-Aleppo gebracht worden sein. Bild: AFP

Zehntausende Menschen harren in den letzten verbliebenen Rebellengebieten im Osten der zerbombten Metropole Aleppo aus. Busse pendeln hin und her, um die Menschen schnellstmöglich abzutransportieren. Denn der Bevölkerung droht neue Gefahr.

Damaskus. Die ersten Zivilisten und Verwundeten haben die Rebellengebiete in Ost-Aleppo verlassen und sind mit Bussen ins Umland der umkämpften Metropole transportiert worden. Angesichts der Lage in der Stadt könnte sich die Evakuierungsmission aber noch länger hinziehen. Syriens Präsident Baschar al-Assad erklärte die Stadt für befreit. Er gratulierte dem syrischen Volk: "Was heute in Aleppo passiert, wird Geschichte schreiben."

Der pro-syrische TV-Sender Al-Mayadeen zeigte ab dem Mittag Bilder einer Kolonne mit grünen Bussen und Krankenwagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes, die die Rebellengebiete verließen. Bei einer ersten Fahrt seien 951 Menschen aus der Stadt gebracht worden, hieß es aus syrischen Militärkreisen. Bei einem Drittel davon habe es sich um Kämpfer gehandelt. Insgesamt sollen den Angaben zufolge etwa 15 000 Menschen aus den Rebellengebieten abtransportiert werden. Die Vereinten Nationen bereiten sich nach eigenen Aussagen darauf vor, dass bis zu 100 000 Menschen in die Provinz Idlib fliehen könnten. In Ost-Aleppo halten sich noch Zehntausende Menschen auf, von denen viele in zerbombten Häusern untergekommen sind. Wegen einer monatelangen Blockade wird die humanitäre Lage dort immer katastrophaler. Es fehlt akut an Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. Weil es kaum Strom und Treibstoff gibt, können die Menschen trotz der Wintertemperaturen nicht heizen. "Ich habe noch nie zuvor dieses Ausmaß menschlichen Leids gesehen", erklärte die Leiterin der IKRK-Mission, Marianne Gasser. "Es ist schwer zu fassen, wie die Menschen überlebt haben", fügte der Regionaldirektor des IKRK, Robert Mardini, hinzu.

Der nach Brüssel gereiste Bürgermeister von Ost-Aleppo wurde von den Gipfelteilnehmern empfangen, um die Lage vor Ort zu schildern - nach EU-Angaben eine beispiellose spontane Einladung. Der französische Präsident Francois Hollande zeigte sich entsetzt über das Leid der Menschen. Er mahnte die 28 EU-Länder dringend zu einer geschlossenen Haltung. Wenn dies noch nicht einmal in einer so essenziellen Frage gelinge, "wozu sollte dann ein Europa der 28 noch gut sein?", fragte Hollande.
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Johann Strasser aus Winklarn | 16.12.2016 | 10:20  
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