13.11.2017 - 12:58 Uhr
Deutschland & Welt

Fahndung nach Staub, Garweg und Klette Ex-Mitglieder der RAF am Mittelmeer untergetaucht?

Mit neuen Tatortvideos fahndet das LKA nach drei untergetauchten Ex-RAF-Terroristen. Nach einer Überfallserie kam die Polizei auf ihre Spur. Sind Staub, Garweg und Klette am Mittelmeer untergetaucht?

Simulation: So könnten die Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette heute aussehen (unten, von links). In der oberen Reihe die Original-Fahndungsfotos aus den 70er Jahren. Bild: BKA/dpa
von Agentur DPAProfil

Hannover. Mit einer Serie von Raubüberfällen brachten drei seit Jahrzehnten untergetauchte ehemalige RAF-Terroristen die Polizei 2015 wieder auf ihre Spur. Wie die Fahnder nun vermuten, könnte das Trio sich möglicherweise im Mittelmeerraum aufhalten und jeweils zu den Raubüberfällen ins vertraute Norddeutschland angereist sein. Es sei nicht auszuschließen, dass die Ex-RAF-Mitglieder Ernst-Volker Staub (63), Burkhard Garweg (49) und Daniela Klette (59) in Italien, Frankreich oder Spanien Unterschlupf gefunden haben, teilte das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) mit.

Alte Netzwerke

Möglicherweise können die drei ehemaligen Linksterroristen auf alte Netzwerke Gleichgesinnter wie die baskische ETA oder die Roten Brigaden in Italien zurückgreifen. Staub wurde angeblich auch auf einem Campingplatz in Norditalien gesehen, eindeutig identifiziert wurde er nach Angaben der Fahnder aber nicht. Außerdem könnten die drei sich nach LKA-Angaben in den Niederlanden aufhalten, wo bereits umfangreicher nach dem Trio gefahndet wurde. Ein bei der Fahrt über die Grenze nach Holland ausgeschaltetes Handy sowie der Schnipsel einer holländischen Zeitung in einem Tatwagen waren unter anderem der Grund. Mit bislang unveröffentlichten Tatvideos startete das LKA am Montag einen neuen Fahndungsaufruf nach dem Trio, das es für mindestens neun Raubüberfälle in Norddeutschland verantwortlich hält. Eine Videosequenz zeigt Staub und Garweg bei einem Überfall in Hildesheim, auf einer zweiten sind die beiden in einem Bus in Osnabrück zu sehen, als sie auf dem Weg zum Kauf eines Gebrauchtwagens sind, den sie für einen der Überfälle benötigen. Zuletzt schlugen die drei im Juni 2016 in Cremlingen bei Braunschweig zu. Mit Panzerfaust und Automatikgewehr überfielen dort zwei Männer und eine Frau einen Geldtransporter und ein Geschäft.

Dritte RAF-Generation

Für einen Aufenthalt der Gesuchten im Ausland spricht nach Einschätzung der Fahnder, dass es trotz intensiver Fahndung bislang keinen entscheidenden Hinweis in Deutschland gab. Dennoch könnten die drei sich - möglicherweise ebenfalls mit Hilfe von Unterstützern - auch hier aufhalten. Die Gebiete um Bielefeld, Porta Westfalica und Osnabrück sind für die Fahnder wegen Gebrauchtwagenkäufen durch das Trio dort von besonderem Interesse. Hier dürften die drei nach LKA-Angaben besonders häufig gewesen sein.

Garweg, Klette und Staub gehören zur sogenannten dritten Generation der RAF. Sie wurde aktiv, als zentrale Figuren wie Andreas Baader und Ulrike Meinhof längst tot waren. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen, so an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Mit Terror haben die jüngsten kriminellen Machenschaften des Trios wohl nichts mehr zu tun, eher mit der Altersvorsorge. "Das Leben in der Illegalität ist wesentlich teurer als ein legales Leben", sagte Ex-Terrorist Klaus-Jürgen Boock vor kurzem dem "Spiegel". Die Beute aus allen Überfällen zusammen soll bei etlichen hunderttausend Euro liegen.

Mit falschen Pässen ausgestattet gehen die RAF-Rentner nach Vermutung der Fahnder keiner geregelten Arbeit nach, womöglich haben sie Unterstützer. Ihre Lebensgeschichte und ihre Kontakte aber bleiben nebulös. "Die sind wie vom Erdboden verschluckt, hochprofessionell", meint ein Beamter. Mit den aktuellen Fahndungsbildern aber bestehe die Chance, dass sie anhand ihrer Gesichter erkannt werden können. Wo auch immer sie sich aufhalten.

Raubzug in Norddeutschland

Wegen einer Serie von Raubüberfällen läuft die Fahndung nach den ehemaligen RAF-Terroristen Garweg, Klette und Staub. Neun Taten seit 2011 werden ihnen angelastet:

30. September 2011: Bei einem Überfall auf einen Supermarkt in Celle fallen den Tätern bis zu 100 000 Euro in die Hände.

24. Dezember 2012: 135 000 Euro erbeuten die Täter bei einem Überfall auf einen Supermarkt in Stade.

23. August 2014: Bei einem Supermarktüberfall in Elmshorn fliehen die Täter mit 46 000 Euro.

2. Januar 2015: In Osnabrück kassieren Räuber bei einem Überfall auf einen Supermarkt 60 000 Euro.

6. Juni 2015: An einem Supermarkt in Stuhr nehmen die Täter einen mit rund einer Million Euro beladenen Geldtransporter unter Beschuss, am Ende müssen sie ohne Beute fliehen.

19. Oktober 2015: Bei einem Überfall auf einen Einkaufsmarkt in Northeim erbeuten die Täter gut 50 000 Euro.

28. Dezember 2015: Ohne Beute endet der Überfall auf einen Geldtransporter in Wolfsburg-Nordsteimke.

7. Mai 2016: Ebenfalls mit leeren Händen müssen die Täter nach einem Überfall auf einen Geldboten an einem Einkaufsmarkt in Hildesheim-Bavenstedt abziehen.

25. Juni 2016: Mit einer Panzerfaust und einem Automatikgewehr bewaffnet überfallen zwei Männer und eine Frau einen Geldtransporter und ein Geschäft nahe Braunschweig. Die Beute soll mehrere hunderttausend Euro betragen. (dpa)

Das Leben in der Illegalität ist wesentlich teurer als ein legales Leben.Ex-Terrorist Klaus-Jürgen Boock im "Spiegel"
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