03.12.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Fall Mareike": Anklage gegen 31-Jährigen erhoben - Odyssee mit der Leiche durch die Oberpfalz: Mord nach Unterwäsche-Diebstahl

Der "Fall Mareike", der vor mehr als einem Jahr die Oberpfalz in Atem hielt, kommt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Regensburg erklärte die Ermittlungen für abgeschlossen und erhob gegen den 31-jährigen Textilarbeiter Peter B. Anklage wegen Mordes.

von Redaktion OnetzProfil

Der frühere Arbeitskollege von Mareike Goszczak soll die 20-jährige Waldmünchenerin erwürgt haben, weil sie ihn beim Diebstahl ihrer Unterwäsche in ihrer Wohnung ertappt hatte. Bundesweit hatte das Verschwinden der jungen Frau für Aufsehen gesorgt, weil die Vermisste trotz umfangreicher Suchaktionen und Ermittlungen über ein halbes Jahr verschwunden blieb.

Zwischen dem 14. Oktober 2003 und dem 1. April 2004 suchte die Polizei nach ihr. Währenddessen kursierten in ihrem Umfeld die wildesten Gerüchte, die Kriminalpolizei Regensburg verfolgte mehr als 1700 Einzelspuren. Mareike galt in Waldmünchener Kreisen sogar als Opfer okkultistischer Gruppen oder Sekten, als von Mädchenhändlern verschleppt oder der Drogenszene zugehörig - alles falsche Vermutungen, wie sich später ergab.

Auch zwei Suizide und ein Suizidversuch, die nach dem Verschwinden der 20-Jährigen für Aufsehen sorgten, hatten nichts mit Mareike Goszczak zu tun. Dafür kam die 7500-Einwohner-Gemeinde Waldmünchen deutschlandweit in die Schlagzeilen. Die junge Frau aber blieb verschwunden. Weil sich der Verdacht erhärtete, dass sie einem Kapitalverbrechen zum Opfer gefallen war, leitete die Staatsanwaltschaft Regensburg ein Ermittlungsverfahren gegen "Unbekannt" wegen des Verdachts auf Totschlag ein.

Die Kriminalpolizei Regensburg richtete eine Arbeitsgruppe "Mareike" ein. Der Fall wurde in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" ausgestrahlt, die Operative Fallanalyse des Polizeipräsidiums München nahm sich der Sache an, ein detailliertes Ermittlungskonzept wurde ausgearbeitet. Dann endlich der Erfolg: Am 1. April nahm die Polizei den mittlerweile 31-jährigen Textilarbeiter Peter B. fest. Er war erst ein paar Jahre vorher aus den neuen Bundesländern nach Waldmünchen gezogen und galt als Verehrer der vermissten jungen Frau, mit der er öfter unterwegs, aber nicht liiert war. Sein Geständnis brachte Licht ins Dunkel: Mareike hatte ihn in ihrer Wohnung ertappt, als er versuchte, ihre Unterwäsche zu stehlen. Zuvor war er durch das offene Schlafzimmerfenster eingestiegen. Während eines Wortwechsels kam es zu Handgreiflichkeiten, der Textilarbeiter erwürgte Mareike Goszczak.

Anschließend versteckte er die Leiche an verschiedenen Orten und verscharrte sie schließlich in einem Waldstück bei Siebeneichen in der Nähe von Sulzbach-Rosenberg, rund 100 Kilometer von Waldmünchen entfernt. Nach seiner Festnahme war er vom 2. April bis 30. Juni in Untersuchungshaft, am1. Juli wurde er vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Die Staatsanwaltschaft Regensburg holte ein forensisch-psychiatrisches Gutachten ein.

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