Fall Skripal vor der OPCW
London und Moskau beschuldigen sich bei OPCW gegenseitig

Den Haag. Bei ihrer ersten direkten Konfrontation seit dem Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal haben sich Großbritannien und Russland gegenseitig mit Vorwürfen überzogen. Bei einer Sondersitzung des Exekutivrats der OPCW (Organisation für das Verbot von Chemiewaffen) in Den Haag beharrte London am Mittwoch darauf, dass Moskau hinter der Attacke stecke. Dem Exekutivrat gehören Diplomaten aus 41 Staaten an.

Die britische Regierung bezeichnete den russischen Vorschlag, gemeinsam zu ermitteln, als "pervers". Russland nannte die Vorwürfe "inszeniert". Es handele sich um eine "groteske Provokation, grob fabriziert von den britischen und amerikanischen Geheimdiensten", sagte der Chef des russischen Auslandsgeheimdienst SWR, Sergej Naryschkin. Russland verlangt, an den Ermittlungen beteiligt zu werden. Die EU-Staaten wiesen die Vorhaltungen Russlands als total inakzeptabel zurück.

Die OPCW erwartet für kommende Woche die Ergebnisse der Laboruntersuchungen. Sie werde den Bericht dann an Großbritannien übergeben, teilte die Organisation bei der Sondersitzung mit, die Russland beantragt hatte. OPCW-Experten hatten Proben im britischen Salisbury entnommen und auch Blutproben der Opfer bekommen. Diese werden in internationalen Labors analysiert.

Großbritannien erneuerte in Den Haag seine Anschuldigungen gegen Russland. Es sei höchstwahrscheinlich, dass der russische Staat für den Anschlag verantwortlich sei, erklärte der britische Vertreter bei der Sondersitzung. Großbritannien habe das eingesetzte Nervengift als den Stoff identifiziert, der von Russland schon früher produziert worden sei.

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung des OPCW-Rates hatte der russische Präsident Wladimir Putin noch die Hoffnung auf eine schnelle Lösung geäußert. Am Mittwoch betonte er bei einem Besuch in Ankara, man wolle nicht auf eine Entschuldigung Londons warten.

Der Streit zwischen Moskau und London hat eine schwere diplomatische Krise ausgelöst. Rund 25 westliche Staaten und die Nato wiesen als Reaktion auf den Anschlag etwa 150 russische Diplomaten aus, Moskau verwies im Gegenzug genauso viele westliche Diplomaten des Landes.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.