FDP-Politikerin
Hildegard Hamm-Brücher mit 95 Jahren gestorben

Hildegard Hamm-Brücher im Jahr 2011. Bild: dpa

Sie war die Grande Dame des Liberalismus in Deutschland: Jahrzehntelang prägte Hildegard Hamm-Brücher die Politik der FDP - in der Lokal-, Landes- und Bundespolitik. Jetzt ist sie im Alter von 95 Jahren gestorben.

München. Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist tot. Das bestätigte ihr Sohn am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in München. Sie starb bereits am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in München.

"Mit ihr verliert Deutschland eine große liberale Persönlichkeit", sagte der bayerische FDP-Landeschef Albert Duin. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nannte Hamm-Brücher den "Inbegriff der gelebten Bürgergesellschaft".

Über Jahrzehnte hatte Hamm-Brücher die Politik der Liberalen geprägt, als Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Doch die Krönung ihrer Laufbahn blieb ihr versagt: Als Hamm-Brücher 1994 für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte, opferte ihre Partei sie im dritten Wahlgang dem Koalitionskalkül - Staatsoberhaupt wurde Unionskandidat Roman Herzog.

Nach 50 Jahren in der FDP gab Hamm-Brücher 2002 ihr Parteibuch ab - wegen antiisraelischer Äußerungen des damaligen Parteivizes Jürgen Möllemann.

Hamm-Brücher wurde 1921 in Essen geboren, sie wuchs in Berlin auf. 1948 zog die promovierte Chemikerin für die FDP in den Münchner Stadtrat ein. Bayerns FDP-Chef würdigte sie als Politikerin mit festen Überzeugungen und der Kraft, unbequem zu sein - auch für ihre Partei. "Wir behalten sie als unabhängigen Geist und leidenschaftliche Liberale in Erinnerung."

In jedem ihrer Ämter habe sie sich für die Demokratie und die Chancen des Einzelnen stark gemacht, sagte Duin: "Ihrem Ziel, Verkrustungen im Schulsystem aufzubrechen und die beste Bildung für alle, unabhängig von ihrer Herkunft, zu ermöglichen, fühlen wir uns auch heute verpflichtet."

2015 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Doch trotz zweier Oberschenkelhalsbrüche, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen verfolgte sie die Entwicklungen in der Politik weiter.
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