Flüchtlingspolitik spaltet witer die Union
Keine Lösung im Streit um Obergrenze in Sicht

Im Streit zwischen CDU und CSU um eine Obergrenze für Flüchtlinge ist weiter keine Lösung in Sicht. Konfrontation statt Harmonie - das ist eine Botschaft der CSU aus dem Kloster Seeon. Selbst ein Kompromissvorschlag aus den eigenen Reihen hat keine Chance.

Seeon. Die CSU hat den Anti-Terror-Kampf, die Stärkung der inneren Sicherheit und die Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge zu ihren Schwerpunkten im Wahljahr 2017 erklärt. "Wir bleiben unserer Kernkompetenz, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, treu", sagte Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt am Freitag zum Abschluss der dreitägigen Klausurtagung im Kloster Seeon.

Bei der Tagung verabschiedete die Landesgruppe auch die Forderung nach Einführung einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen, wie sie Kanzlerin Angela Merkel strikt ablehnt. Zugleich formulierten die CSU-Bundestagsabgeordneten eine Reihe von Positionen mit Blick auf den Terroranschlag in Berlin und die Sicherheitslage in Europa.

"Wir wissen, dass wir noch viel Arbeit in der Koalition vor uns haben", so Hasselfeldt mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst. Es könne nicht sein, "dass die Sozialdemokraten schöne Überschriften machen und dann bei der konkreten Ausgestaltung nur halbe Schritte gemacht werden". Dies gelte etwa für das Aufenthaltsrecht und die Verlängerung der Abschiebehaft von 4 auf 31 Tage. Im Konflikt um die Obergrenze für Flüchtlinge ist damit weiter keine Lösung in Sicht. Seit Monaten streiten CSU-Chef Horst Seehofer und die CDU-Vorsitzende Merkel über eine solche Festlegung. Seehofer fordert eine starre Grenze von maximal 200 000 Flüchtlingen pro Jahr und macht das zur Bedingung für den Eintritt in eine Regierung nach der Bundestagswahl. Die Fronten zwischen Merkel und Seehofer sind aber so verhärtet, dass nach Informationen der "Bild"-Zeitung (Freitag) auch ein jüngst bekannt gewordener Kompromissvorschlag aus den eigenen Reihen keine Chance hat. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte sich für ein Ende des Streits ausgesprochen.

Kein "atmender Deckel"

Die beiden Innenexperten Stephan Mayer (CSU) und Armin Schuster (CDU) hatten schon Ende September das Konzept eines "atmenden Deckels" vorgeschlagen. Die Kapazität zur Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland wäre demnach jedes Jahr neu zu berechnen und an die Zahl der Neuankömmlinge des Vorjahres zu koppeln. Laut "Bild" ist dieser Vorschlag jedoch bereits vom Tisch. Die Idee sei eine "Totgeburt", hieß es dem Bericht zufolge in Seehofers Umfeld. Merkel wiederum fürchte vor allem einen jährlich neuen, öffentlichen Poker um die Flüchtlingszahlen, den man gegen die AfD nur verlieren könne.
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