Fragen nach dem G20-Chaos
Katz und Maus

Ein Randalierer wirft am Sonntag in Hamburg im Schanzenviertel ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern. Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Trupps von Gewalttätern zogen rund um den G20-Gipfel durch Hamburg und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Die Suche nach den Tätern läuft - und die Strafverfolgung. Keine einfache Angelegenheit.

Berlin/Hamburg. Sie warfen Steine, plünderten Geschäfte, zündeten Autos an und zertrümmerten Scheiben: Marodierende Gruppen wüteten rund um den G20-Gipfel in Hamburg. Was passiert mit den Tätern? Die juristische Aufarbeitung des Krawalle ist schwierig.

Wie viele Menschen wurden bislang festgenommen?

Die Polizei nahm am Rande des Gipfels 186 Menschen fest und 228 in Gewahrsam. Die große Mehrheit ist wieder frei. Die Suche nach den Tätern gestaltet sich nicht einfach. Die Attacken waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden "wohl organisiert" und "orchestriert". Unter anderem wechselten Randalierer laut Polizei häufig die Kleidung. Es gibt etwa Aufnahmen aus einem Polizeihubschrauber, die zeigen, wie sich Steinewerfer hastig umzogen.

Wie viele Verdächtige sind in Untersuchungshaft?

Laut Hamburger Staatsanwaltschaft sind es derzeit 51. Die Vorwürfe gegen sie lauten unter anderem: schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung. Einem 27-jährigen Deutschen wird versuchter Mord vorgeworfen. Er soll mit einem Lasergerät den Piloten eines Polizeihubschraubers gezielt geblendet - und dabei den möglichen Absturz des Helikopters in Kauf genommen haben. Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Staatsanwaltschaft überwiegend um junge Männer unter 30 Jahren. Neben zahlreichen Deutschen sind darunter auch Staatsbürger aus Frankreich, Italien, Spanien, Russland, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich.

Wie läuft die weitere Suche nach den Tätern?

Die Polizei wertet unter anderem große Mengen an Foto- und Videomaterial aus, um Gewalttäter aufzuspüren. Die Polizei hat dazu auch Zeugen, die Straftaten mit dem Handy gefilmt haben, gebeten, ihre Aufnahmen auf einem Hinweisportal der Polizei hochzuladen. Bislang gingen dort laut Hamburger Polizei etwa 5000 Dateien ein.

Welche Strafen drohen den Randalierern?

Der Strafrahmen für besonders schwere Fälle von Landfriedensbruch liegt bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Das gilt auch für gefährliche Körperverletzung. Sachbeschädigung kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Auf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte steht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren - oder eine Geldstrafe. In besonders schweren Fällen ist eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vorgesehen. Soweit zumindest die Theorie.

Was passierte in ähnlichen Fällen aus der Vergangenheit?

Nach den schweren Krawallen rund um die Eröffnung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main vor gut zwei Jahren ermittelte die Staatsanwaltschaft in 675 Fällen. Es ging um die gleichen Delikte: Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz (Vermummung). Bis auf einen Fall sind laut Frankfurter Staatsanwaltschaft alle Verfahren abgeschlossen. Der allergrößte Teil wurde jedoch eingestellt. Sechs Beschuldigte wurden wegen schweren Landfriedensbruchs zu Bewährungsstrafen zwischen zehn Monaten und einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Dazu kamen 14 Strafbefehle mit Geldstrafen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte im April, er hätte sich gewünscht, "dass mehr von diesen Chaoten überführt werden".
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