18.08.2017 - 20:04 Uhr
Deutschland & Welt

Fragen und Antworten IS-Terror in Europa

Mit Terroranschlägen wollen die IS-Extremisten ihre militärischen Niederlagen kompensieren. Ein baldiges Ende der Miliz ist nicht in Sicht. Sie profitiert zu sehr von der Schwäche ihrer Kontrahenten.

In einigen europäischen Großstädten haben die Behörden Sicherheitsbarrieren errichtet, um Terroranschläge mit Fahrzeugen zu erschweren. Hier ein Beispiel aus Edinburgh, Schottland. Bild: Jane Barlow/dpa
von Agentur DPAProfil

Barcelona. Paris, Brüssel, London, Berlin, Barcelona - immer wieder erschüttert die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Europa mit Terror. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Der IS hat in Syrien und im Irak zahlreiche Rückschläge erlitten. Wie stark ist die Organisation noch?

Als die Dschihadisten vor mehr als drei Jahren die nordirakische Großstadt Mossul überrannten, erreichte die Macht des IS ihren Höhepunkt. Die Terrormiliz kontrollierte riesige Gebiete im Irak und in Syrien. Den größten Teil davon hat sie mittlerweile wieder verloren, nicht zuletzt durch die Militärhilfe der US-geführten Anti-IS-Koalition für lokale Kräfte. Die militärische Niederlage der Dschihadisten in beiden Ländern scheint nur noch eine Frage der Zeit. Besiegt ist der IS damit aber noch lange nicht.

Warum setzt der IS auf Anschläge?

Jetzt versucht der IS, die militärischen Niederlagen durch Terroranschläge zu kompensieren. So will er seinen Anhängern vermitteln, dass er weiterhin mächtig und fähig zum Kampf ist. Für Anschläge brauchen die Extremisten auch keine ausgefeilte Logistik, ein Fahrzeug als Tatwaffe reicht aus. In Internetpublikationen gibt der IS Anweisungen, wie die Attentate am besten auszuführen sind. Dabei profitiert die Terrormiliz von der medialen Aufmerksamkeit, die die Anschläge erhalten.

Zudem hat er das Ziel, die Gesellschaften seiner Gegner zu zersetzen - in der Hoffnung, von Unsicherheit und möglichem Chaos zu profitieren.

Warum wird Europa immer wieder Ziel von Anschlägen?

Zahlreiche europäische Länder gehören zur internationalen Anti-IS-Koalition, in dem der IS ein Bündnis von "Kreuzfahrern" sieht, die den Islam zerstören wollen. Spanien steht auch deshalb im Fokus, weil die Iberische Halbinsel im Mittelalter als Al-Andalus über Jahrhunderte von Muslimen beherrscht wurde. Unter Einwohnern aus Migrantenfamilien, Migranten und Konvertiten findet der IS in Europa mögliche Attentäter. Allerdings gibt es in etlichen islamischen Ländern viel häufiger Terrorangriffe als in Europa. In der irakischen Hauptstadt Bagdad gehen manchmal täglich Bomben des IS in die Luft und töten Menschen.

Nehmen die Anschläge ein Ende, wenn der IS militärisch besiegt ist?

Davon ist nicht auszugehen. Im Gegenteil: Ein militärisch besiegter IS könnte noch viel häufiger auf Terrorangriffe setzen. Selbst wenn die wichtigsten Köpfe des IS sterben sollten, bleibt die radikale Ideologie der Extremisten erhalten. Über das Internet wird sie von unzähligen Helfern weltweit dezentral verbreitet - Einhalt lässt sich dem kaum gebieten.

Was muss passieren, um den IS endgültig zu zerschlagen?

Nicht seine eigene Stärke hat den IS groß gemacht, sondern die Schwäche seiner Gegner. Beispiel Irak: Der von korrupten Eliten beherrschte Staat erfüllt schon seit langem seine Aufgaben nicht mehr. Die von der Mehrheit der Schiiten dominierte Regierung diskriminiert die Sunniten und vernachlässigt seit Jahren ihre Regionen - ein Nährboden für die Ideologie des sunnitischen IS. Erst wenn diese Probleme an der Wurzel gelöst sind, kann auch der IS tatsächlich zerschlagen werden.

Frühe Warnungen

Das spanische Innenministerium und die Polizeiführung haben die Verantwortlichen in Barcelona schon vor Monaten vor der Gefahr eines Terroranschlags auf der Flaniermeile Las Ramblas gewarnt. Die Stadtverwaltung sei der Empfehlung, Poller an den Rändern des Boulevards aufzustellen, aber nicht gefolgt, berichtete die spanische Presse übereinstimmend. Die Stadtverwaltung wie nach den Berichten darauf hin, dass es praktisch unmöglich sei, den Boulevard komplett mit Pollern abzusichern, weil die Straße für Feuerwehreinsätze offen bleiben müsse. (dpa)

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