29.12.2003 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Franziskaner-Minoriten gründen zweite Niederlassung - Ein Signal aus der Oberpfalz Die Mission in Uganda wächst

In Uganda wächst das Missionsprojekt der Franziskaner-Minoriten immer mehr. Inzwischen wurde das Kloster, die Kirche und die Schule fertiggebaut und eröffnet.

von Redaktion OnetzProfil

Von Pater Stanislaus

Neustadt/WN. Das Missionsprojekt der Franziskaner-Minoriten in Uganda schreitet flott voran. Kloster, Kirche und Schule in Kakooge sind fertiggestellt. Menschen aus dem Raum Neustadt haben bereits für 42 Kinder Patenschaften übernommen. Jetzt steht die Eröffnung einer zweiten Niederlassung bevor. Der Guardian des Kloster St. Felix in Neustadt, Pater Stanislaus, ist der Uganda-Beauftragte seiner Ordensprovinz. Er berichtet von seiner Reise nach Südafrika, von der er Anfang Dezember zurückgekommen ist.

In der zweiten Novemberhälfte ging's für mich zum sechsten Mal (in den letzten sieben Jahren) nach Uganda, konkret nach Kakooge, 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kampala, in der noch sehr jungen Diözese Kasana-Luweero. Auch diesmal flog ich voller Freude und gespannt auf all das, was sich dort seit meinem letzten Besuch vor knapp einem Jahr getan hatte.Nach neun Stunden Nachtflug von London aus landete ich in Entebbe auf dem internationalen Flughafen, der zwar recht bescheiden wirkt, dafür aber direkt am Äquator und Viktoriasee liegt. Begrüßt wurde ich von zwei unserer Franziskaner-Missionaren und von hochsommerlichen Temperaturen.

Man könnte also sagen: Alles wie gehabt. Es war zwar Regenzeit in Uganda, aber da es dort das ganze Jahr über regnet, fällt die Regenzeit nicht sonderlich auf und ist auch nicht so entscheidend für die Vegetation des Landes. Über Kampala ging es direkt nach Kakooge, wo sich zwar einiges geändert hatte - das Kloster und die Kirche sind mittlerweile fertig gestellt, die katholische Schule wurde um einige Räume vergrößert, auch ein kleines Häuschen für die künftigen Voluntarier wurde gebaut, der Garten nimmt immer mehr Gestalt an.

Einiges blieb aber unverändert: die mir schon so vertraute Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Die Menschen, die ich teilweise immer nicht ganz voneinander unterscheiden kann, kamen auf mich zu, vor allem wie immer die Kinder, und begrüßten mich voller Freude und mit meinem Namen. Sie wollten wissen, wie es in der Oberpfalz und in St. Felix aussieht - einfach schön!

Dann aber ging's an die Arbeit, denn auch diesmal bin ich nach Kakooge geflogen, um einiges zu besprechen, das ablaufende Vier-Jahres-Projekt zu revidieren und für die nächsten vier Jahre ein neues zu entwerfen, und vor allem gemeinsam die Möglichkeiten für die Gründung der zweiten Niederlassung auszuloten, denn die Mission wächst. Seit September ist die Zahl der Franziskaner von drei auf fünf angestiegen, im Januar kommt der nächste, und bis Juni 2004 sollen insgesamt sieben Mitbrüder in Uganda wirken.

Krankenstation


Zunächst aber zur Gegenwart: Das Pfarrzentrum in Kakooge besitzt bereits die Hauptkirche und die Grundschule. Als Nächstes sollen eine Krankenstation und ein Jugendbildungshaus hinzukommen. Das Land dafür ist bereits gekauft worden. Die Finanzmittel werden gesammelt.

Die Hauptschwierigkeit scheint im Augenblick darin zu liegen, eine Schwesterngemeinschaft zu finden, die bereit wäre, die Krankenstation zu übernehmen, zu leiten und die neuen Krankenschwestern vor Ort auszubilden. Die Suche geht weiter; wir hoffen bald schon auf konkrete Antworten.

Ebenfalls in Kakooge soll ein einfaches Formationshaus für den zu erwartenden einheimischen Ordensnachwuchs entstehen. Schrittweise soll das Pfarrzentrum im Laufe der nächsten Jahre ausgebaut und zugleich eine Basis des Franziskanerordens in Uganda werden.

Eine größere Stadt


Von dieser Basis aus, wo die neuen Franziskaner sprachlich und kulturell auf ihre Aufgaben vorbereitet werden, soll eine zweite Niederlassung entstehen: Diesmal soll es eine größere Stadt sein, wo es eine Hochschule (Kultur und Bildung) und einen katholischen Radiosender gibt. Sowohl in Kampala (Hauptstadt) als auch in Kasese (West-Uganda) und Tororo (Ost-Uganda) gibt es solche Wunschkonstellationen. Gespräche wurden aufgenommen.

Während meiner Visite besuchten wir Bischof John Baptist Kaggwa in Masaka (100 Kilometer südwestlich von Kampala), der gute Beziehungen zur Diözese Regensburg und besonders zur KAB unterhält. Auch seine Bischofsstadt wäre für unsere Zukunftspläne interessant.

auch wenn sie über keinen eigenen Radiosender verfügt. Gerade die beiden noch zu erwartenden Franziskaner werden derzeit für das Mitwirken im Rundfunk technisch und sprachlich vorbereitet. Warum das Radio? Dieses Medium bietet einfach wesentlich mehr Möglichkeiten, Menschen in einem solch armen Land wie Uganda zu erreichen und ihnen den Geist des heiligen Franziskus von Assisi näher zu bringen. Über alle Gespräche und Möglichkeiten wurde ein Bericht erstellt, der den Ordensoberen vorgelegt wird, damit sie nach der Rücksprache mit den Mitbrüdern in Uganda ihre Wahl treffen. Das wird im Provinzkapitel der Krakauer Franziskaner im Mai 2004 sein.

Das größte Problem Ugandas ist neben der Armut oder vielleicht gerade deshalb eine sehr hohe Zahl der Aids-Erkrankungen und folglich eine der höchsten Sterberaten weltweit. Mit 100 Euro Unterstützung kann ein Kind ein Jahr lang nicht nur die Schule besuchen; es bekommt auch alles für die Schule Nötige und eine (meist die einzige!) warme Mahlzeit am Tag.

Die Ministranten von St. Felix helfen mit ihren kleinen Aktionen Silivia, einem gleichaltrigen Mädchen aus Kakooge. Es mag sehr wohl sein, dass bald mehr daraus wird: eine Freundschaft zwischen den St.-Felix- und den Kakooge-Ministranten - bald, denn erst seit dem ersten Adventssonntag werden die Ministranten angeworben.

Was aber bereits funktioniert, sind der Kirchenchor und eine liturgische Mädchentanzgruppe. Die junge Kirchengemeinde lebt, und zwar sehr bunt. Sowohl der Gesang als auch der Tanz gehören wie selbstverständlich zur Feier des Sonntagsgottesdienstes. Aber es wird nicht nur getanzt; in Kakooge und allen 16 dazugehörigen Dörfern werden "Small Christian Communities" gegründet, deren Ziel ist es, gemeinsam Bibel zu lesen (nach der Sieben-Schritte-Methode) und, durch Gottes Wort inspiriert, gemeinsam zu handeln, um die Wirklichkeit positiv, im Sinne Gottes, zu verändern.

Aids größtes Problem


Ja, die Wirklichkeit: Uganda scheint einen Stammplatz in der Gruppe der Länder der Dritten Welt sicher innezuhaben. Hunger ist nicht das Problem - das Land ist sehr fruchtbar -, Aids allerdings schon. Und die Perspektivlosigkeit! Es gibt keine Anzeichen, dass es irgendwann besser werden könnte. Der Armut zu entrinnen und den Stempel "wirtschaftlich uninteressant" loszuwerden, scheint aussichtslos zu sein. Damit zu leben ist möglich (allerdings "möglich" in einem positiv-bejahenden Sinne), wenn es eine Solidarität von Mensch zu Mensch, von Christ zu Christ gibt.

Deshalb die ganzen Aktivitäten um Uganda: um den Menschen in Kakooge die Gewissheit zu geben, dass es irgendwo in Europa, in Deutschland, in der Oberpfalz Menschen gibt, die von ihnen wissen, sie achten und ihnen - so gut sie eben können - helfen. Die Weltordnung wird dadurch nicht umgekrempelt, es findet keine revolutionäre Erneuerung statt. Die Armen wird es immer noch geben, aber für einige Menschen wird erfahrbar, dass das Reden von der christlichen Nächstenliebe und dem bereits um sich greifenden Reich Gottes kein leeres Gerede ist; nicht mehr für einige in Uganda und nicht mehr für einige in der Oberpfalz.

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