23.08.2017 - 21:20 Uhr
Deutschland & Welt

Für den Wiederaufbau Syrien wirbt um Firmen

Der Krieg ist in vielen Teilen Syriens noch in vollem Gange, da plant die Regierung schon den Wiederaufbau. Ein Großteil der Infrastruktur des Landes ist zerstört, Investitionen in Milliardenhöhe sind nötig. Deutsche Firmen sollen helfen.

von Agentur DPAProfil

Damaskus. In seiner Vision von einem Syrien ohne Krieg erheben sich Hochhäuser inmitten der Wüste. Auf den leeren Flachdächern von Damaskus sorgen Solarpaneele für Strom. Windfarmen entstehen am Rand eines Sees unweit von Homs, wo viele Stadtviertel noch immer in Trümmern liegen. "Die Situation in Syrien ist vergleichbar mit der in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg", sagt Tamer Jaghi. "Deutschland ist ein gutes Beispiel dafür, wie so ein Wiederaufbau gelingen kann." Während in vielen Teilen Syriens noch gekämpft wird, macht sich Tamer Jaghi schon Gedanken über die Zeit nach dem Krieg. Er sitzt in einem kleinen Büro im Zentrum der Hauptstadt Damaskus und denkt darüber nach, welche internationalen Firmen er nach Syrien einladen könnte. Mit seiner Firma Al-Baschek organisiert Jaghi eine Messe zum Wiederaufbau des Landes: "Rebuild Syria". Auf seinem Schreibtisch liegen mehrere Prospekte, die für Investitionen in dem Bürgerkriegsland werben: "Weil jede Krise auch Möglichkeiten schafft!", steht darauf.

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnen damit, dass der Wiederaufbau Syriens bis zu 200 Milliarden US-Dollar kosten könnte. Vor allem die Infrastruktur hat gelitten: Straßen, Brücken, Wasser- und Stromnetze sind in Teilen des Landes komplett zerstört. Notwendige Investitionen blieben in den vergangenen sechs Jahren aus. Der IWF geht davon aus, dass es - wenn der Krieg morgen aufhört - etwa 20 Jahre dauern würde, bis das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Syrien wieder auf Vorkriegsniveau ist. Der Wiederaufbau benötige daher internationale Hilfe. Und die soll, wenn es nach Tamer Jaghi geht, auch aus Deutschland kommen.

Messe für Wiederaufbau

"Natürlich ist auch der syrische Markt interessant für uns", sagt Florian Attenhauser von Sennebogen. Die Maschinenfabrik aus Straubing ist weltweit für ihre Kräne bekannt. Jede Investition in den Aufbau der Infrastruktur sei sinnvoll, sagt der Unternehmenssprecher. "Aktuell ist bei den angefragten Projekten noch eine große Zurückhaltung zu spüren, was auch mit den politischen Rahmenbedingungen zusammenhängt." Bei der syrischen Wiederaufbaumesse 2016 ließ sich die Firma von einem libanesischen Partner in Damaskus vertreten, um Produkte "Made in Germany" anzubieten.

Neben Sennebogen stehen noch weitere deutsche Firmen im Ausstellungskatalog der Messe. Vorn ziert das Porträt von Syriens Präsident Baschar al-Assad den Prospekt, der verspricht, "privilegierter Wettbewerbsteilnehmer" zu werden. ThyssenKrupp (Beckum) und WSS Investments (Dorsten) aus Nordrhein-Westfalen werden neben syrischen Ministerien und Firmen vornehmlich aus dem Libanon aufgeführt.

Auch wenn sich deutsche Firmen derzeit noch über lokale Partner in Damaskus vertreten lassen und stellenweise "nur Prospekte und Werbegeschenke auslegen", wie eine Firma sagt: Die Messeveranstalter propagieren offen mit den deutschen Teilnehmern und wollen zeigen, dass es viel Interesse an Syrien gebe und das Land trotz aller Kritik am militärischen Vorgehen der Armee gegen Opposition und Zivilbevölkerung international nicht mehr isoliert sei.

Voraussetzung: Kriegsende

Über die deutschen Industrie- und Handelskammern könnten Anfragen von syrischer Seite festgestellt werden, teilt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit. "Syrien und der Irak bieten eigentlich Potenzial für die deutsche Wirtschaft", sagt Philipp Andree, Leiter des Nahost-Referats beim DIHK. Voraussetzung für ein Engagement seien eine Stabilisierung der politischen Lage und ein Ende des Krieges.

Auch wenn die Warenausfuhren von Deutschland nach Syrien nach Daten des Zolls während des Krieges um 93 Prozent zurückgegangen sind: Deutsche Firmen lieferten 2016 Waren im Wert von knapp 52 Millionen Euro nach Syrien, vor allem medizinische Geräte und Arzneimittel. Das Bundeswirtschaftsministerium rät derzeit von Geschäftstätigkeiten in Syrien ab. Doch Messedirektor Jaghi ist sich sicher: "Wenn die Friedensverhandlungen erfolgreich sind, stehen die Europäer Schlange."

Die Situation in Syrien ist vergleichbar mit der in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.Messedirektor Tamer Jaghi
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