08.12.2017 - 20:38 Uhr
Deutschland & Welt

Fürst Karel Schwarzenberg feiert an diesem Sonntag seinen 80. Geburtstag Adlige Nervensäge

Prag. Seit der Havel-Ära mischt Karel Schwarzenberg in der Prager Politik mit. Bis heute. Am Sonntag wird er 80. Das Fernsehen hat seit Jahren Spaß daran, bei den Debatten des Prager Parlaments einen friedlich schlummernden Karel Schwarzenberg zu zeigen.

Der ehemalige tschechische Außenminister Karel von Schwarzenberg. Archivbild: Alexander Unger
von Autor HJSProfil

"Der Fürst" (tschechisch: "kniže"), wie der Adlige liebevoll genannt wird, hört nicht mehr so gut und macht gern mal ein Nickerchen. Damit bleibt ihm freilich erspart, viel Geschwafel mitzubekommen. In ein altes böhmisches Adelsgeschlecht hineingeboren, musste die Familie nach dem kommunistischen Putsch 1948 die Heimat Richtung Wien verlassen. Dort fiel er lange als Lebemann auf. Aber ab Mitte der 1980er Jahre auch als "freischaffender Politiker", etwa im auf Menschenrechte fokussierten Helsinki-Komitee. Von diesem Posten aus unterstützte er massiv die Dissidenten in Ostmitteleuropa, unter anderem die Charta 77 um Vaclav Havel. Der holte ihn nach der Wende an die Moldau, wo der Fürst der Prager Burg Glanz verlieh - als Kanzler des Präsidenten. Zweimal agierte Schwarzenberg nach dem Ende der Havel-Ära als tschechischer Außenminister, um ein Haar wäre er Präsident geworden. Auf dem internationalen Parkett war er nicht nur geschätzt, weil er Damen prinzipiell mit Handkuss begrüßt. Er ist ein großer Europäer, sorgt sich heute mehr denn je um den Zusammenhalt des alten Kontinents. "Ich will, dass die EU wieder wesentlich wird", sagte er in unserem letzten langen Interview.

Das Gespräch auf einem der eher bescheidenen Schlösschen des Fürsten bei Prag gehört zu meinen schönsten Erfahrungen mit ihm. "Wer je in einer Burg oder auf einem Schloss aufgewachsen ist, weiß, wie kalt und zugig es im Winter sein kann. Das überleben nur die Härtesten", lächelte er mich fröstelnden Reporter an. Diese Härte beweist er bis heute, da er am Sonntag 80 wird: "Ich will bestimmten Leuten noch ein bisschen auf die Nerven gehen", sagte er, kandidierte erfolgreich und ist bei allem Schlummer hellwach, wenn es im Parlament um Wesentliches geht. Glückwunsch, kniže!

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