07.07.2017 - 22:16 Uhr
Deutschland & Welt

G20-Gipfel Draußen Krawalle, drinnen Disput und Differenzen

Hamburg. Der erste G20-Gipfel in Deutschland wird von Gewalt und Chaos auf Hamburgs Straßen überschattet. Die Anfahrt der Staats- und Regierungschefs zur ersten Arbeitssitzung wurde am Freitag durch Straßenblockaden behindert. Auch politisch war der Gipfelauftakt von Konflikten geprägt: Die Europäische Union wehrte sich mit dem Androhen von Sanktionen gegen die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump. Beim Klimaschutz blieben die USA isoliert.

Eine junge Anti-G20-Demonstrantin ist auf ein Polizeifahrzeug geklettert. Polizisten duschen die Frau mit Pfefferspray, um sie zum Herunterklettern zu bewegen. Bild: Boris Roessler/dpa
von Agentur DPAProfil

Teil-Waffenruhe für Syrien

Die größte Aufmerksamkeit bekam aber das erste Treffen Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beide einigten sich am Rande des Gipfels auf einen Waffenstillstand für den Südwesten Syriens. Die Waffenruhe, an der auch Jordanien beteiligt sei, solle am Sonntag beginnen, sagte US-Außenminister Rex Tillerson am Freitag.

Von den Anti-G20-Krawallen waren die Staats- und Regierungschefs auf dem Messegelände abgeschottet. Kanzlerin Angela Merkel verurteilte die Randale scharf: "Gewalttätige Demonstrationen bringen Menschenleben in Gefahr", sagte sie. Den ganzen Tag über kam es in Hamburg zu Straßenschlachten. Tausende G20-Gegner versuchten am Abend zur abgesperrten Elbphilharmonie vorzudringen, wo sich die G20-Gipfelteilnehmer zu einem Konzert trafen. Es kam zu schweren Verwüstungen und zahlreichen Brände.

Erstes handfestes Gipfelergebnis war eine Erklärung zur Terrorbekämpfung. Darin sprechen sich die Staats- und Regierungschefs vor allem für ein schärferes Vorgehen gegen Terrorfinanzierung aus. Ansonsten dominierten die Differenzen. Die EU drohte Trump umgehende Sanktionen an, sollte dieser zulasten europäischer Unternehmen den US-Stahlmarkt abschotten. "Wir sind in gehobener Kampfesstimmung", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Protektionismus sei "absolut der falsche Weg".

Ringen um Erklärung

Merkel sprach von schwierigen Diskussionen über den Freihandel: "Da will ich gar nicht drumrum reden." Weiterhin unklar blieb, wie die G20 mit dem Ausstieg der USA aus dem Pariser UN-Klimaabkommen umgehen werden. In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf für die Abschlusserklärung ist ein Dissens zwischen den USA und den anderen 19 Mitgliedern festgeschrieben. Es war aber unklar, ob der Entwurf in dieser Form in der Spitzenrunde angenommen wird. Die Kanzlerin appellierte deutlich an die Kompromissbereitschaft der Gipfelteilnehmer. "Wir wissen, dass die Zeit drängt."

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Newsblog zum Gipfel im Onetz:

www.onetz.de/g20

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