10.01.2018 - 21:40 Uhr
Deutschland & Welt

Gesundheitsstudie der Hochschule München Gesundheit ist auch Geldsache

Die Lebenserwartung in der nördlichen Oberpfalz ist weiterhin deutlich niedriger als in München. In der Region Oberpfalz-Nord können heute geborene Mädchen damit rechnen, im Durchschnitt 81,8 Jahre zu leben, bei Buben sind es 77,1 Jahre. Etwas günstiger ist die Lage im Süden.

von Jürgen UmlauftProfil

München. In der Landeshauptstadt München liegt die mittlere Lebenserwartung mit 84,4 Jahren bei Frauen und 80,6 Jahren bei Männern mehr als drei Jahre höher. Im Süden der Oberpfalz liegt der Wert bei Frauen gegenwärtig bei 83 Jahren, bei Männern bei 78,5 Jahren. Das geht aus einer Studie von Professor Christian Janßen von der Hochschule München im Auftrag der SPD-Landtagsfraktion hervor.

Janßen sieht in den Daten einen direkten Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Einkommenssituation. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen je Einwohner beträgt in der nördlichen Oberpfalz 1703 Euro und in der südlichen 1787 Euro, in München dagegen 2163 Euro. "Arme Menschen sterben früher", sagte Janßen. So liege der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen den höchsten und den niedrigsten Einkommensgruppen bei bis zu zehn Jahren.

Gründe für die kürzere Lebenserwartung von Personen mit niedrigem Einkommen seien schlechtere Arbeits- und Wohnbedingungen, eine höhere Raucherquote, eine dem schmaleren Geldbeutel geschuldete unausgewogenere Ernährung sowie Mängel in der Gesundheitsprävention. Auch Gesundheit und Krankheit seien in Bayern regional und sozial ungleich verteilt, erklärte Janßen. Diese Faktoren seien etwa zu 50 Prozent für die Lebenserwartung verantwortlich, dazu kämen genetische und Umwelteinflüsse. Am ehesten beeinflussbar seien aber gesundheitliche Faktoren, weshalb Janßen eine den sozialen Risikogruppen besser angepasste Prävention forderte. Zudem müssten Erhebungen zur Gesundheit in Bezug zur sozialen Lage gesetzt werden, um präzisere politische Schlüsse ziehen zu können.

Heftige Kritik an der Staatsregierung übte dabei der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Thomas Beyer. Nötig seien mehr regionalisierte Daten, um bessere innerbayerische Vergleiche ziehen zu können. Genau diese aber vermeide die Staatsregierung "so gut es geht". Beyer bestätigte die Feststellung Janßens, dass die Zahl psychischer Erkrankungen deutlich steige. "Das ist eines der drängendsten sozialen Probleme, hier zeigt sich das hässliche Gesicht des Wirtschaftsbooms", sagte Beyer. Immer mehr Menschen fühlten sich dem Tempo in der Arbeitswelt nicht mehr gewachsen. Auch hier brauche es mehr Gesundheitsprävention.

SPD-Abgeordnete Ruth Müller sprach sich daher für ein bayerisches Präventionsgesetz und den Aufbau eines landesweiten Netzwerks zur Vorsorge aus. Gesundheitsministerin Melanie Huml verwies auf Präventionsprogramme sowie die Einrichtung von Gesundheitsregionen in Bayern. Kommentar

Arme Menschen sterben früher.Professor Christian Janßen, Hochschule München
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