06.04.2018 - 22:34 Uhr
Deutschland & Welt

Gift-Anschlag auf Ex-Doppelagent Skripals Zustand nicht mehr kritisch

Sergej und Julia Skripal geht es besser, sie haben das Attentat mit dem Kampfstoff Nowitschok überlebt. Das nährt Hoffnungen auf eine Aufklärung des Falls. Doch das Ringen um Beweise geht weiter.

Dieses Videostandbild einer Überwachungskamera zeigt den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal beim Bezahlen in einem Geschäft. Ihm geht es nach einem Giftanschlag wieder deutlich besser. Bild: ITN/AP/dpa
von Agentur DPAProfil

Salisbury/Moskau. Der vergiftete frühere russische Doppelagent Sergej Skripal ist wie seine Tochter Julia inzwischen nicht mehr in einem kritischen Zustand. "Er spricht gut auf die Behandlung an, seine Gesundheit verbessert sich schnell", teilte die Klinikärztin Christine Blanshard am Freitag im südenglischen Salisbury mit. Dies nährt Hoffnungen, dass eine Befragung Skripals mehr Klarheit bringen und helfen könnte, den Streit zwischen Großbritannien und Russland wegen des Falls zu lösen.

In einem britischen Medienbericht wurden allerdings neue Vorwürfe gegen Moskau bekannt. Skripal (66) und seine Tochter Julia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie wurden nach britischen Angaben mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Die Substanz war den Ermittlern zufolge wahrscheinlich auf die Türklinke von Skripals Haus geschmiert worden.

Julia Skripal meldete sich am Donnerstag erstmals öffentlich zu Wort und berichtete von Fortschritten bei der Genesung. Sie äußerte sich in ihrem von Scotland Yard verbreiteten Schreiben aber nicht zu eventuellen Motiven oder Beobachtungen kurz vor der Tat. Wann sie aus der Klinik entlassen wird, war zunächst offen.

Nach Angaben des deutschen Chemikers Ralf Trapp sind Spätfolgen bei solchen Kampfstoffen aber nicht ausgeschlossen. "Das kann von Organ- bis Hirnschäden reichen", sagte Trapp der Deutschen Presse-Agentur. Das Nervengift Nowitschok wurde einst in der Sowjetunion produziert. London vermutet Moskau als Drahtzieher des Attentats. Russland weist dies zurück. Bisher wurden keine Beweise veröffentlicht.

Bei einer auf Bitten Moskaus kurzfristig einberufenen Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York kam es am Donnerstagabend zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen beiden Ländern. "Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, dass sie mit dem Feuer spielen und das noch bereuen werden", sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja. Er warf dem Westen Lügen und Manipulationen nach den Methoden des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels vor. Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce wies die Vorwürfe zurück. Das Ganze sei "Teil eines größeren Musters von unverantwortlichem Verhalten Russlands", sagte Pierce. Neue US-Sanktionen dürften das Verhältnis zu Russland zusätzlich belasten.

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