03.05.2018 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Großrazzia in Flüchtlingsunterkunft Rückendeckung für Polizei

Abschiebungen sind mittlerweile Routine für Polizisten. In einem Flüchtlingsheim in Ellwangen eskalierte jedoch ein Einsatz. Wenige Tage später durchsuchen Hunderte Beamte die Unterkunft.

Volle Arbeit für das Einsatzkommando der Polizei in Ellwangen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Ellwangen. Nach einer gewaltsam blockierten Abschiebung eines Asylbewerbers in Ellwangen hat die Polizei mit Hunderten Beamten eine Flüchtlingsunterkunft durchsucht. Ein Togoer konnte bei der Razzia am Donnerstag gefasst werden. Der 23-Jährige soll nach Italien zurückgeführt werden. Eigentlich sollte der Mann aus dem westafrikanischen Kleinstaat Togo bereits in der Nacht zu Montag gefasst und abgeschoben werden. Etwa 150 bis 200 mutmaßliche Flüchtlinge der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) hatten dies aber gewaltsam verhindert. Die Polizei brach die Aktion ab.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte nach dem neuerlichen Einsatz, für ihn sei klar, "dass das Gastrecht nicht mit Füßen getreten werden darf". Er stehe "politisch voll hinter den Maßnahmen der baden-württembergischen Sicherheitsbehörden und der Polizei". Die empörenden Widerstandshandlungen müssten mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangte die Abschiebung der Angreifer. "Die Flüchtlinge, die in Ellwangen Polizisten angegriffen haben, müssen unverzüglich abgeschoben werden", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt den Zeitungen "Heilbronner Stimme" und "Mannheimer Morgen".

"Wir hatten in der LEA Hinweise auf Strukturen, die behördliche Maßnahmen unterbinden wollen", sagte Polizeivizepräsident Bernhard Weber. Der 23-Jährige und andere 17 Bewohner, die in der Vergangenheit wiederholt als Unruhestifter aufgefallen seien, sollten nun in andere Landeserstaufnahmeeinrichtungen verlegt werden. Der 23-Jährige solle dann nach Italien zurück, wo er erstmalig in die EU kam. "Die Situation insgesamt war sehr angespannt, sehr aufgeheizt", sagte Einsatzleiter Peter Hönle.

Die Polizei bekam von der Politik viel Rückendeckung für ihr Vorgehen. "Jeder Mensch muss sich in unserem Rechtsstaat an Recht und Gesetz halten. Wir dulden keine rechtsfreien Räume und dieser Angriff auf Polizisten muss geahndet werden", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). An dem Einsatz in Ellwangen waren mehrere hundert Beamte beteiligt. Kommentar, Seite 4

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.