Grünen-Chefin wirft Kölner Polizei "Rassismus" vor, rudert dann aber zurück
Streit um "Nafris"

"Es ging nicht um das Aussehen, sondern um das Verhalten von jungen Männern ... Die Polizei Köln ist mit Augenmaß vorgegangen." Zitat: Polizeipräsident Jürgen Mathies

Berlin. Grünen-Chefin Simone Peter hat sich kritisch zum Einsatz der Kölner Polizei bei den Silvesterfeierlichkeiten geäußert und damit den geballten Zorn der Union auf sich gezogen. Auch die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckhardt, und andere Parteikollegen positionierten sich deutlich vorsichtiger als Peter. Diese ruderte am Montag zurück.

"Das Großaufgebot der Polizei in Köln und anderen Städten hat Gewalt und Übergriffe in der vergangenen Silvesternacht deutlich begrenzt", sagte Peter. Allerdings stelle sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, "wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden". Völlig inakzeptabel sei der Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie "Nafris" für Nordafrikaner durch die Polizei, erklärte Peter. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte, es sei kaum zu fassen, dass die Grünen das vorsorgliche und erfolgreiche Vorgehen der Kölner Polizei als rassistisch kritisierten. "Das ist absurd und entlarvt einmal mehr die grüne Multikulti-Schönfärberei", sagte Tauber.

Nach den vielen Übergriffen auf Frauen in Köln vor einem Jahr hatte die Polizei mit großem Personaleinsatz verhindern wollen, dass sich Vergleichbares wiederholt. Deshalb setzten Polizisten mehrere Hundert verdächtige Männer fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Der Vorwurf, der erfolgreiche Einsatz zur Verhinderung von Gewalt, Diebstahl und sexuellen Übergriffen sei mit einem rassistischen "Profiling" verbunden gewesen, sei "eine absurde und geradezu verrückte Debatte", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel. "Die Polizei hat mit ihrem Profil ,Nafris/Nordafrikaner' nichts anderes getan, als die Realität zu beschreiben." Die Kölner Polizei hatte am Silvesterabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt: "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen." Der Begriff "Nafri" wird im Polizeijargon intern für "nordafrikanische Intensivtäter" verwendet. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, dies sei "keine offizielle Sprachregelung oder ein offizieller Begriff, den wir verwenden würden". Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies hatte zuvor bereits eingeräumt, der Begriff sei "sehr unglücklich verwendet hier in der Situation".

Es ging nicht um das Aussehen, sondern um das Verhalten von jungen Männern ... Die Polizei Köln ist mit Augenmaß vorgegangen.Polizeipräsident Jürgen Mathies
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