13.10.2017 - 21:10 Uhr
Deutschland & Welt

Grundschüler in Mathe, Zuhören und Rechtschreibung schlechter als vor 5 Jahren: Ratlosigkeit nach Schülertest

Daumen runter für Deutschlands Viertklässler: In Mathe, Zuhören und in Rechtschreibung sind ihre Leistungen im Schnitt schlechter geworden. Guter Rat ist teuer.

Eine Grundschülerin sitzt während des Mathematikunterrichts über ihren Aufgaben. Die Leistungen der deutschen Grundschüler hat in den letzten fünf Jahren deutlich abgenommen. Bild: Felix Kästle/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Susanne Eisenmann ist nicht zu beneiden. Als Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) muss sie das Absacken der Leistungen der Grundschüler bewerten. Die Studie IQB-Bildungstrends im Auftrag der KMK hat ergeben, dass die Viertklässler in Mathe, beim Zuhören und in Rechtschreibung binnen fünf Jahren im Schnitt schlechter geworden sind. Besonders deutlich gesunken sind die Leistungen in Eisenmanns Heimat Baden-Württemberg.

In Tabellen zeigen die Bildungsforscher des Berliner Instituts IQB auf, wo die Reise bei Deutschlands Grundschülern hinging: Deutschlandweit sank der Anteil der Kinder, die bestimmte Regelstandards erreichen oder übertreffen, seit 2011 beim Zuhören und bei der Rechtschreibung. Am stärksten ging er im Südwesten und Sachsen-Anhalt zurück - um zehn Prozent. Bei der Rechtschreibung ging der Anteil bundesweit um ebenfalls zehn Prozent zurück. Der Anteil der Kinder, die den niedrigeren Mindeststandard beim Zuhören nicht erreichen, ging besonders in Bremen und Baden-Württemberg hoch - deutschlandweit um rund drei Prozent. Nur Schleswig-Holstein verbesserte sich.

Bei Mathe sank der Anteil derer, die den Regelstandard schaffen, bundesweit um sechs Prozent - am stärksten in Baden-Württemberg um zehn Prozent. Kleinere Rückgänge gibt es in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Mehr als jeder zehnte Viertklässler erreicht beim Lesen und beim Zuhören bundesweit keine Mindeststandards, mehr als jeder fünfte in Rechtschreibung, 15,4 Prozent in Mathe. Beim Ist-Zustand liegt der Südwesten in etwa im Bundesschnitt, Ausreißer nach unten: Bremen und Berlin. Deutlich besser als bundesweit: durchgängig Bayern.

Warum ist das Niveau gesunken? Ihre Ergebnisse könnten "nur bedingt Erklärungen liefern", sagt Studienautorin Petra Stanat. Aber der gestiegene Migrantenanteil fällt auf. Die höchsten Anteile gibt es mit über 40 Prozent in Berlin, Bremen und Hamburg sowie in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Vor allem bei den in Deutschland geborenen Kindern aus Migrantenfamilien stiegen die Anteile. Stanat meint: "Vieles, was wir da an Benachteiligung sehen, ist eine soziale Benachteiligung." Die Kinder, die als Flüchtlinge 2015 gekommen sind, sind noch nicht in der Studie erfasst. Wird sich das bei einer nächsten Erhebung auf das Niveau der Viertklässler auswirken? Das glaubt Stanat nicht. "Es sind zwar viele gekommen, aber wenn man das herunterbricht auf eine Jahrgangsstufe gar nicht so viele." Wenn man Lehrer fragt, was sie am wichtigsten finden, sagen sie laut Stanat: individuelle Förderung und Umgang mit Heterogenität. Einige Länder brächten Kinder mit Zuwanderungsgeschichte eher zu guten Leistungen als andere, meint der Deutsche Philologenverband. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger fordert eine ausgewogene Verteilung in den Klassen. Klar ist: Der wachsende Lehrermangel untergräbt alle Therapieversuche, die mit besonderer Förderung zu tun haben. "Ohne ausreichend Lehrer kann es keinen Bildungserfolg geben", sagt Rabe.

Wie heißt die kleinste mögliche Zahl?

Bei ihren Schülertests verwenden die Forscher des Berliner Instituts verschiedene Aufgaben. Beispiele:

Um das Zuhören zu testen wird den Schülern etwa ein Text zu Gehör gebracht, in dem ein Junge aus Südamerika aus seinem Leben erzählt. Hinterher müssen die Schüler einen Fragebogen beantworten - etwa was der Junge mit bestimmten Äußerungen in dem Text meint.

In Mathematik wird den Schülern etwa eine Aufgabe mit Kärtchen mit den Ziffern zwischen 1 und 9 gestellt. Damit sind vierstellige Zahlen zu legen und jede Karte höchstens einmal zu verwenden. Wie heißt die kleinste mögliche Zahl? Richtig: 1234. Wie heißt die größte Zahl? Richtig: 9876.

Dann soll die Zahl gelegt werden, die am nächsten bei 5000 liegt. Eine Anja sagt in der Aufgabe: "Leg die Zahl 4321". Doch eine Ute meint, dies sei nicht richtig. Welche Zahl liegt am nächsten bei 5000? Richtig: 4987. (dpa)

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