02.03.2018 - 16:00 Uhr
Deutschland & Welt

Handelskrieg mit den USA Wer zahlt die Zeche?

Die USA schotten sich ab. Ob die angekündigten Strafzölle tatsächlich der dortigen Wirtschaft helfen werden, ist umstritten. Ökonomen warnen bereits vor weltweiten Folgen.

von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Donald Trump macht Ernst: Mit Strafzöllen will der US-Präsident die heimische Industrie schützen. Im Fokus stehen aktuell Stahl und Aluminium. Die Handelspartner wollen sich wehren - der Auftakt zu einem Zollwettlauf?

Was bedeuten die US-Strafzölle für den Welthandel?

"Die direkte Wirkung auf den Welthandel ist gering", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Der Anteil von Stahl und Aluminium am gesamten Warenimport der USA von 2,4 Billionen Dollar beträgt weniger als zwei Prozent. "Wesentlich wichtiger ist der mögliche Vertrauenseffekt. Die US-Zölle nähren Unsicherheit. Dies wird das Geschäftsklima belasten, in außenhandelsorientierten Ländern wie Deutschland mehr als in den USA selbst." Neue Freihandelsverträge, die dem Welthandel Schwung geben könnten, werden angesichts der Abschottung heimischer Märkte unwahrscheinlicher.

Droht jetzt ein weltweiter Handelskonflikt?

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer warnt: "Das Risiko ist deutlich gestiegen, dass es zu einem Handelskrieg kommt, bei dem alle verlieren werden. Der Zollwettlauf der 30er Jahre mit dem Zusammenbruch des Welthandels ist ein warnendes Beispiel." 1930 erhöhten die USA Zölle auf Hunderte Güter drastisch. Andere Länder konterten mit eigenen Zöllen, die Krise der Weltwirtschaft verschärfte sich. Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht die aktuelle Entwicklung mit Sorge: "Für den Welthandel droht jetzt eine kollektiv irrationale Ausweitung von Strafzöllen, wenn die USA ihrerseits auf die EU reagieren und weitere Strafzölle einführen. Man kann nur hoffen, dass das nicht passiert." Berenberg-Ökonom Schmieding meint: "Dies ist nicht der Beginn eines echten Handelskrieges. Es handelt sich eher um ein Scharmützel."

Wie stark könnte Deutschland von den US-Maßnahmen betroffen sein?

Die USA sind der größte Einzelmarkt für Produkte "Made in Germany". 2017 wurden Waren im Wert von 111,5 Milliarden Euro dorthin exportiert. Vor allem Autos, Maschinen und pharmazeutische Produkte aus deutscher Herstellung sind in den Vereinigten Staaten gefragt. Eisen und Stahl liegen mit einem Export-Wert von gut 1 Milliarde Euro im unteren Teil der Rangliste. Aluminium und Waren aus dem Leichtmetall kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lediglich auf rund 576 Millionen Euro. Nach früheren Berechnungen des Ifo-Instituts hängen mehr als 1,5 Millionen deutsche Arbeitsplätze am US-Geschäft.

Wer bezahlt letztlich die Zeche?

Es dürfte zunächst vor allem Verbraucher in den USA treffen. Denn Produkte - zum Beispiel Getränkedosen und Autos - könnten teurer werden, wenn US-Unternehmen dafür ausländischen Stahl und Aluminium verarbeiten. "Zölle verschaffen einzelnen Branchen Wettbewerbsvorteile. Die Rechnung aber müssen die anderen Unternehmen und vor allem die Verbraucher zahlen, die für die betroffenen Güter mehr zahlen müssen", erklärt Commerzbank-Volkswirt Krämer. "Käme es allerdings zu einem Handelskrieg, ginge global Wohlstand verloren", warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. "Alle wären betroffen - Verbraucher und Unternehmen und auch die Staaten wegen geringerer Steuereinnahmen."

Wie groß ist der Weltstahlmarkt, und wer sind die großen Spieler?

Seit Jahren drücken Überkapazitäten die Preise. Mit Abstand größter Produzent ist China mit 808,4 Millionen Tonnen Rohstahl im Jahr 2016. Damit stammt inzwischen etwa die Hälfte des Rohstahls weltweit aus dem Reich der Mitte. Deutlich dahinter folgen die EU (162,1 Millionen Tonnen) und Japan (104,8 Mio Tonnen). Die USA liegen hinter Indien auf Rang fünf mit 78,5 Millionen Tonnen.

Woher beziehen die USA Stahl und Aluminium?

Wichtigster Stahllieferant für die USA war im vergangenen Jahr der Nachbar Kanada mit einem Volumen von 5,2 Milliarden Dollar. Das waren 18 Prozent das gesamten Stahlimports der Vereinigten Staaten von 29 Milliarden Dollar. Auch Südkorea und Mexiko gehören zu den Top-Lieferanten. Deutschland rangiert nach einer Übersicht der Commerzbank mit einem Volumen von knapp 2 Milliarden Dollar auf Rang fünf der größten Stahllieferanten der USA. Bei Aluminium ist Kanada demnach ebenfalls mit weitem Abstand der wichtigste Lieferant für die USA.

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