Hinweise verdichten sich
Haftbefehl gegen Anis Amri

Nach heftiger Schelte für die Ermittler können diese wieder einen Erfolg vorweisen: Der Verdacht gegen den Terrorverdächtigen Amri erhärtet sich. Es gibt Fingerabdrücke des Tunesiers am Führerhaus des Lkw.

Berlin. Die Bundesregierung geht inzwischen mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Tunesier Anis Amri mit dem Sattelzug in den Weihnachtsmarkt im Zentrum Berlins gerast ist. Seine Fingerabdrücke wurden am Fahrerhaus des Lkw sichergestellt, wie Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag sagte. Es seien auch weitere Hinweise gefunden worden, "dass dieser Tatverdächtige mit hoher Wahrscheinlichkeit wirklich der Täter ist", fügte de Maizière hinzu. Die Bundesanwaltschaft hat gegen den Flüchtigen Haftbefehl erlassen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft auf eine "baldige Festnahme". Sie lobte den Umgang der Bevölkerung mit dem Geschehen. "Ich bin in den letzten Tagen sehr stolz gewesen, wie besonnen die Menschen, die große Zahl der Menschen, auf diese Situation reagiert."

Auf die Spur des 24-jährigen Amri kamen die Ermittler, als sie im Lastwagen seine Duldungspapiere fanden. Das geschah aber erst am Dienstag, weil die Fahrerkabine zunächst versiegelt worden war.

Unterdessen erhöhten die Ermittler den Fahndungsdruck. In Nordrhein-Westfalen und in Berlin gab es Polizeieinsätze. Im direkten Zusammenhang mit dem Anschlag gab es aber keine Festnahmen. In Emmerich im Kreis Kleve durchsuchten Beamte eine Flüchtlingsunterkunft. Dort war Amri laut "Spiegel online" offiziell gemeldet.

Kriminelle Karriere

Über Amri, der 2015 von Italien kommend über Freiburg ins Land einreiste, werden immer mehr Details bekannt. Medienberichten zufolge wurde er in Italien und Tunesien bereits zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Sicherheitsbehörden hatten demnach vor Monaten vage Hinweise darauf, dass er sich im Chat mit einem Hassprediger als möglicher Selbstmordattentäter anbot.

Amri habe vergeblich versucht, an automatische Waffen zu kommen. Nach einem Bericht der "New York Times" soll er sich im Internet auch über den Bau von Sprengsätzen informiert haben. Die Behörden hatten den Tunesier monatelang als sogenannten Gefährder auf dem Radar, sie konnten ihm aber nichts nachweisen. Eine Abschiebung nach Tunesien scheiterte, weil er keinen Pass hatte.
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