Hoffnung auf Feuerpause zerstört
Trotz Sieg in Aleppo: Assad bombt weiter

Wer kann, der sucht sein Heil in der Flucht. Die Hoffnung auf eine Waffenruhe in Aleppo war schnell dahin. Das syrische Regime kündigte an, auch nach der Rückeroberung der Stadt weiter mit Härte militärisch gegen seine Gegner vorzugehen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef forderte erneut, dass Zivilisten das Recht darauf haben müssten, sicher die Stadt zu verlassen. Bild: AFP

Am Morgen sollte der Abzug der Rebellen aus dem umkämpften Aleppo beginnen - eigentlich. Stattdessen ist das Grauen der Kämpfe und Bombardements zurück. Und Assad droht mit neuer Härte.

Aleppo/Damaskus. Die syrische Regierung will auch nach der Rückeroberung Aleppos mit militärischer Härte gegen ihre Gegner vorgehen. "Von einer Feuerpause kann keine Rede sein", sagte Präsident Baschar al-Assad dem russischen Staatsfernsehen in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview. Mit Milde könnten nur "Terroristen" rechnen, die sich ergeben oder den Kampfort verlassen.

Zuvor waren eine Waffenruhe und der Abzug der Rebellen aus der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo gescheitert. Syrische Regierungstruppen und Rebellen lieferten sich dort erneut heftige Gefechte. Die Kämpfe gingen weiter, bis "das ganze Land von Terroristen gesäubert" sei, sagte Assad.

Aktivisten und Bewohner in den verbliebenen Rebellengebieten Aleppos sendeten am Mittwoch erneut SOS-Rufe in sozialen Netzwerken. "Die Verletzten und Toten liegen auf dem Boden", schrieb ein Bewohner in einer Nachricht. "Die Gebäude, in denen sich die Menschen verstecken, werden über ihren Köpfen zerstört. Helft uns!"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte eine sofortige Waffenruhe für Aleppo. "Es ist nicht zu spät, mehr sinnloses Blutvergießen zu verhindern", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Am Dienstag habe Merkel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und sich für eine Waffenruhe sowie den ungehinderten Zugang humanitärer Helfer eingesetzt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ergänzte, er könne sich "nicht vorstellen", dass die politische Zukunft Syriens mit Assad gestaltet werden könne.

Ban bedauert Versagen

Der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das Versagen der Vereinten Nationen im Syrien-Krieg als die größte Enttäuschung seiner Amtszeit bezeichnet. "Was ich am meisten bereue, jetzt, wo ich aus dem Amt scheide, ist der anhaltende Alptraum in Syrien", sagte Ban am Mittwoch in New York. (Seite 4)

Licht ausAls Zeichen der Solidarität mit den Bewohnern der umkämpften syrischen Stadt Aleppo hat Paris am Mittwochabend die Beleuchtung des Eiffelturms abgeschaltet. "Dieser symbolische Schritt ... zielt darauf ab, erneut ans Gewissen der internationalen Gemeinschaft zu appellieren, dass dringend gehandelt werden muss", hieß es in der Erklärung Stadtverwaltung. (dpa)
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Johann Strasser aus Winklarn | 15.12.2016 | 08:10  
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