Imamen spitzeln Gülen-Anhänger für Regierung aus
Imamen leiten Informationen über Gülen-Anhänger an Regierung weiter

Die Spionage durch Imame bezeichnet Bekir Alboga, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, als bedauerliche "Panne". Bild: dpa

Bonn. Die Debatte um den deutsch-türkischen Moscheedachverband Ditib weitet sich aus. Nachdem Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga in der "Rheinischen Post" (Donnerstag) erneut eingeräumt hatte, dass einzelne Imame des Verbands Informationen über Gülen-Anhänger an die türkische Regierung weitergeleitet hätten, forderten deutsche Politiker Konsequenzen.

Das Klima in der türkischen Gemeinschaft beschreiben Anhänger des im US-amerikanischen Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen als angespannt. Auch Vertreter der Kurden warnten vor der Entstehung von "türkisch-nationalistischen" Gegen-Gesellschaften in Deutschland. Mit Blick auf die Spitzel-Vorwürfe sprach Ditib-Generalsekretär Alboga von einer bedauerlichen "Panne" - ähnlich hatte er sich Mitte Dezember geäußert. Eine Anweisung der türkischen Religionsbehörde Diyanet habe sich nicht an Ditib gerichtet, so Alboga. Trotzdem seien ihr "einige wenige Ditib-Imame fälschlicherweise" gefolgt und hätten Berichte über Gülen-Anhänger nach Ankara geschickt.

Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, berichtete dem Südwestrundfunk von einem vergifteten Klima in der türkischen Gemeinschaft. Ähnlich hatte sich am Mittwoch ein Vertreter der Gülen-Bewegung geäußert. Toprak sagte, er wünsche sich von der deutschen Politik, dass sie sich von Ditib distanziere. "Wer mit Ditib zusammenarbeitet, legt die Zukunft der deutschen Muslime in Erdogans Hände." Die Kurdische Gemeinde setze auf eine Organisation der Muslime in Deutschland, die unanbhängig von den Herkunftsländern sei.

Sevin Dagdelen, Migrationsbeauftragte der Linken-Bundestagsfraktion, forderte Maßnahmen gegen Imame, die Gülen-Anhänger denunziert hätten: "Erdogans Spitzel müssen ausgewiesen werden." Dagdelens Kollege bei den Grünen, Volker Beck, nannte das Eingeständnis Albogas zu den Vorwürfen unglaubwürdig. Er habe schon im Dezember beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe Anzeige gestellt "wegen des Verdachts der Spionage zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland", so Beck.
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