16.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Iraker und Kurden brauchen Militärhilfe - Armee fehlt eine Strategie gegen die IS-Miliz Zu schwach gegen den Terror

Peschmerga sind nur mit leichten Waffen ausgerüstet. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Sie feuern mit schwerer Artillerie und Raketen. Sie rücken mit gepanzerten Fahrzeugen vor. Und sie kennen kein Erbarmen. Wo die Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) auftauchen, geht es oft schnell. In Windeseile nahm die Terror-Miliz Anfang Juni die nordirakische Millionenstadt Mossul ein. Statt zu kämpfen, ergriffen die Soldaten der Regierung in Bagdad die Flucht. Vor zwei Wochen leisteten die kurdischen Peschmerga den Dschihadisten knapp zwei Tage Widerstand - und mussten sich schließlich zurückziehen. Stattdessen hissten die IS-Kämpfer in weiteren nordirakischen Orten ihre schwarze Flagge.

Alle Gegenoffensiven der Iraker und Kurden entpuppten sich danach als Wunschdenken oder Propaganda. Bislang ist es den Gegnern der Dschihadisten bis auf wenige Ausnahmen nicht gelungen, verlorene Gebiete zurückzuerobern. Die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga erwiesen sich fast immer als zu schwach, um den Extremisten die Stirn zu bieten. Die Kurden gelten zwar als diszipliniert, gut organisiert und hoch motiviert. Doch die etwa 25 000 Peschmerga kämpfen mit leichten und ziemlich alten Waffen. Die Ausstattung der Kurden stammt meist noch aus den Beständen der früheren Armee des 2003 gestürzten Langzeitherrschers Saddam Hussein. Dazu zählen russische Sturmgewehre des Modells AK-47 sowie Maschinengewehre. Waffen gegen gepanzerte Fahrzeuge besäßen die Kurden dagegen kaum, sagt der Militärexperte James Dubik vom Institute for the Study of War (ISW) in Washington.

Erbeutete US-Waffen

Als die IS-Extremisten vor zwei Wochen ihre neue Offensive im Nordirak starteten, feuerten sie mit Artillerie auf die Kurden, die dem nichts entgegenzusetzen hatten. Zudem rückten die Dschihadisten mit gepanzerten Humvees an, Geländefahrzeugen, die die USA der irakischen Armee geliefert hatten. Bagdads Soldaten ließen sie bei ihrer Flucht zurück. Militärexperte Dubik schätzt, dass die IS-Kämpfer mehrere Hundert Humvees besitzen.

Die Kurden kämpften nicht einfach gegen eine Miliz, sondern gegen einen Staat, sagt ein Verantwortlicher der Peschmerga. "Die Bewaffneten haben alle Kasernen und Munitionslager der irakischen Armee in der Stadt Mossul übernommen." Die militärischen Erfolge bescheren der Terrorgruppe zudem einen Zulauf von neuen Kämpfern. Vor allem Jüngere sollen sich ihnen anschließen.

Selbst wenn die Kurden nun Waffen aus dem Ausland bekommen, dürften sie die Dschihadisten kaum zurückdrängen können. "Wenn sie ausgerüstet werden, können die Kurden ihr eigenes Gebiet verteidigen", sagt Dubik. "Aber sie haben nicht die zahlenmäßige Stärke und die militärische Fähigkeit, um eine größere Gegenoffensive zu starten."

Diese Aufgabe müsste die irakische Armee übernehmen. Sie verfügt laut Dubik über kampfstarke Anti-Terror-Einheiten mit mehreren Tausend Mann. Noch-Ministerpräsident Nuri al-Maliki, bislang oberster Armee-Befehlshaber, setzte sie nicht im Norden des Iraks ein. Die Einheiten müssten verlegt werden, sagt Dubik, der als US-General einst irakische Truppen ausbildete.

Militärberater nötig

Damit allein wird es jedoch nicht getan sein. Der irakischen Armee fehle im Kampf gegen die Extremisten eine Militärdoktrin, eine Strategie, sagte der irakische Militärfachmann Adnan Naaman der irakischen Nachrichtenseite Shafaaq News. Dubik sieht es ähnlich. "Wir haben ihnen das nicht beigebracht." Notwendig seien deshalb Militärberater. So wird die irakische Armee ohne Hilfe nicht in der Lage sein, die IS-Miliz zurückzudrängen. Als besonders schwach erwies sich in die irakische Luftwaffe. Für Dubik ist klar: Die Luftunterstützung muss von der internationalen Gemeinschaft kommen.

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