30.03.2018 - 14:42 Uhr
Deutschland & Welt

Italienische Polizei nimmt mutmaßliche Komplizen des Attentäters vom Breitscheidplatz bei Rom ...: Amri mit falschen Papieren ausgestattet?

Rom. Mehr als ein Jahr nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt sind in Italien mehrere mutmaßliche Komplizen des Terroristen Anis Amri festgenommen worden. Fünf Verdächtige kamen in der Region um Rom und der nahe gelegenen Stadt Latina in Untersuchungshaft. Die Ermittler haben aber keine Hinweise darauf, dass sie dem Tunesier Amri bei seinem Anschlag geholfen haben oder der Attentäter sie auf seiner Flucht in Italien aufsuchen wollte.

Einer der Verdächtigen im Falle der Festnahme fünf mutmaßlicher Komplizen des Attentäters vom Berliner Breidtscheidplatz wird von zwei Polizisten aus der Polizeizentrale eskortiert. Bild: Massimo Percossi/dpa
von Agentur DPAProfil

Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen am Breitscheidplatz in eine Menschenmenge gerast. Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland waren zwölf Menschen getötet und fast 100 verletzt worden. Er wurde kurz darauf auf der Flucht bei Mailand erschossen. Der gebürtige Tunesier war einst mit einem Flüchtlingsboot in Sizilien angekommen. Er saß in Italien etwa vier Jahre in einem Gefängnis, wo er sich radikalisiert haben soll. In der Gegend um Latina lebte er, bevor er im Juli 2015 nach Deutschland reiste.

Vier Tunesier bildeten den Ermittlern zufolge ein Netzwerk. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Amri sich bei ihnen gefälschte Dokumente für seinen Aufenthalt in Deutschland beschafft habe, sagte der Chef der Polizeieinheit Digos in Rom, Giampietro Lionetti. Ihnen wird Begünstigung illegaler Einwanderung und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Bei dem fünften handelt es sich um den einzigen Terrorverdächtigen. Der Mann, der sich als Palästinenser ausgibt, aber den Ermittlern zufolge ebenfalls Tunesier sein könnte, soll Anschläge geplant und dazu aufgerufen haben, Ungläubigen "die Kehle und die Genitalien abzuschneiden". Der 37-Jährige habe indirekt Kontakt zu Amri gehalten. Er saß bereits wegen Drogendelikten im Gefängnis. Drei weitere Tunesier, denen die Ermittler direkten Kontakt zu Amri nachgewiesen haben, wurden bereits im Januar und März 2017 wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgewiesen. Weder sie noch die fünf Verdächtigen hätten Amri aber direkt dabei geholfen, den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zu verüben, sagte Ermittler Walter Dian. Nach einem Bericht des Magazins "Focus" fahndet Generalbundesanwalt Peter Frank nach einem tunesischen Islamisten, der eine führende Rolle bei dem Berliner Anschlag gespielt haben soll. Das Bundeskriminalamt habe offenbar klare Hinweise, dass der 33-jährige Mahir D. Amri von Nordafrika aus gesteuert hat.

In Italien wird seit langem ermittelt, welche Kontakte Amri dort hatte und warum er nach dem Berliner Anschlag zurückkehrte. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Amri auf seiner Flucht zu einem der Verdächtigen oder bereits ausgewiesenen Tunesier wollte, sagte Dian.

In Italien hat es in den vergangenen Tagen mehrere Anti-Terror-Aktionen gegeben. Am Mittwoch war ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Turin gefasst worden. Der Mann mit marokkanischen Wurzeln soll sich unter anderem informiert haben, wie man mit einem Lastwagen einen Anschlag verüben könnte. Zuvor wurde ein Haftbefehl gegen ein anderes mutmaßliches IS-Mitglied in Foggia in Apulien vollstreckt, das Kinder zu Selbstmordattentaten aufgerufen haben soll. Am Freitag dann nahm die Polizei im norditalienischen Fossano einen Marokkaner fest, weil er unter anderem Terrorpropaganda im Netz verbreitet haben soll.

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