Jahrespressekonferenz des russischen Präsidenten
Putin sieht sich als Retter Aleppos

Gut gelaunt stellte sich Russlands Präsident Wladimir Putin den Fragen von rund 1400 Journalisten bei der jährlichen Pressekonferenz in Moskaus "International Trade Center". Bild: dpa

Jedes Jahr das gleiche Ritual: Hunderte Journalisten wollen Wladimir Putin eine Frage stellen. Der Kremlchef antwortet und überrascht mit seiner Einschätzung zum Kampf um Aleppo.

Moskau. Russland will die Nachkriegsordnung für Syrien mit den USA abstimmen. Zwar sei die neue Dreierkooperation Moskaus mit Ankara und Teheran im syrischen Krieg hilfreich, sagte Präsident Wladimir Putin bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau. "Aber es wäre nicht richtig, solche Fragen ohne die USA zu entscheiden." Es habe aber noch keine Kontakte mit dem Team des künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu Syrien gegeben.

Auch die US-Wahl, die Lage in Europa und russische Innenpolitik kamen bei dem fast vierstündigen Fragemarathon vor 1400 Journalisten zur Sprache. Wie in den Jahren zuvor versuchten die Medienvertreter, mit Plakaten und Transparenten Putins Aufmerksamkeit zu erregen.

In Syrien unterstützen die russische Luftwaffe und iranische Milizen Präsident Baschar al-Assad und beherrschen militärisch die Lage am Boden. Beim Abzug der letzten Oppositionskämpfer aus Aleppo spielte die Türkei als Vermittler eine Rolle. Die drei Länder berieten diese Woche in Moskau erstmals gemeinsam.

Putin stellte die Rückeroberung Aleppos - vom Westen wegen der vielen zivilen Opfer kritisiert - ganz anders dar: "Das war die größte, ich will das betonen, damit es alle hören, das war die größte humanitäre internationale Rettungsaktion der Neuzeit." 100 000 Menschen seien aus der jahrelang umkämpften Stadt gebracht worden. Syrien brauche jetzt überall im Land Waffenstillstände, auf denen dann eine politische Lösung aufbauen könne, sagte der Kremlchef.

Er lobte den künftigen US-Präsidenten Trump. Dieser habe die Stimmung in der US-Bevölkerung genau erfühlt und gegen alle Erwartungen darauf seinen Wahlsieg gebaut. "Niemand hat an seinen Sieg geglaubt außer uns hier", sagte Putin. Die scheidende Führung von Barack Obama dagegen mache für ihre Fehler andere verantwortlich, auch für die Wahlniederlage der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton. Die Demokraten werfen Moskau vor, den Wahlkampf durch Hackerangriffe beeinflusst zu haben. Europa stellte Putin in Aussicht, russische Sanktionen aufzuheben, sobald die EU ihre Strafmaßnahmen beendet. Moskau trage keine Schuld an der Verschlechterung der Beziehungen.

Innenpolitisch sprach sich Putin dagegen aus, die für 2018 anstehende Präsidentenwahl vorzuziehen. Ein Abweichen wäre zwar "möglich, aber nicht zweckmäßig". Als ein US-Journalist ihn nach einer Vorverlegung der Wahl fragte, witzelte er zurück: "In welchem Land?" Ob er kandidiere, werde er zu gegebener Zeit sagen.

Das war die größte, ich will das betonen, damit es alle hören, das war die größte humanitäre internationale Rettungsaktion der Neuzeit.Wladimir Putin zur Evakuierung der letzten Rebellengebiete Aleppos
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