26.02.2018 - 16:56 Uhr
Deutschland & Welt

Jan Kuciaks Arbeit das "wahrscheinlichste Motiv" für Tat Enthüllungs-Journalist in Slowakei ermordet

Prag/Bratislava. Der 27-jährige Jan Kuciak, seit 2015 für das zum Verlag Ringier Axel Springer Slovakia gehörende Internet-Nachrichtenportal Aktualne.sk tätig, ist gemeinsam mit seiner Verlobten in ihrem gemeinsamen Haus in der Westslowakei erschossen worden. Kuciak arbeitete investigativ, hatte Steuerbetrüger, slowakische Mafiosi und deren Verbindungen zu hohen politischen Kreisen im Visier. Das wurde ihm offenbar zum Verhängnis. Die Aufklärungsarbeit des jungen Journalisten war auch nach Meinung von Polizeipräsident Tibor Gaspar das "wahrscheinlichste Motiv" des Doppelmordes. In Bratislava sagte Gaspar, die Indizien wiesen darauf hin, "dass die Ermordung geplant war und nicht bei einer spontanen Auseinandersetzung erfolgte". Kuciak sei durch einen Schuss in die Brust tödlich getroffen worden, seine Verlobte durch einen Kopfschuss. Die Mutter der Verlobten hatte nach mehreren Tagen ohne Kontakt die Polizei um Nachforschungen gebeten. Eine Streife fand die beiden Toten am Wochenende im gemeinsamen Haus vor. Tatzeit und Tathergang sind noch Gegenstand der Ermittlungen.

Jan Kuciak. Bild Aktuality.sk/dpa
von Redaktion OnetzProfil

Kuciak berichtete über dubiose Verbindungen von zwielichtigen Unternehmern mit der größten Regierungspartei, der sozialdemokratischen Smer. In Verdacht geraten war dabei zuletzt Innenminister Robert Kalinak, der jedoch sämtliche Vorwürfe zurückwies. Kalinak seinerseits, dem unter anderem Deckung von massiven Steuerhinterziehern vorgehalten wird, beschwerte sich wiederholt über die Arbeit investigativer Journalisten. Dabei hatte er auch die Unterstützung des Polizeipräsidenten Gaspar. Der zeigte sich aber bei seinem Presseauftritt in Bratislava sichtlich erschüttert und sprach von einem "beispiellosen Angriff auf einen Journalisten". Die Chefredakteure aller wichtigen slowakischen Medien appellierten indessen in einer gemeinsamen Erklärung an die zuständigen staatlichen Stellen, alles für die Aufklärung des Falles zu tun und das Recht auf die Freiheit des Wortes zu schützen. Die slowakische Regierung hat mittlerweile eine Belohnung zur Ergreifung des Täters in Höhe von einer Million Euro ausgeschrieben.

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