Jubel für bedächtigen Sieger

"Ich habe schon gehofft, dass es gut geht." Zitat: Alexander Van der Bellen

Er war nicht gerade der typische Wahlkämpfer. Alexander Van der Bellen ist ein Politiker der eher bedächtigen Sorte. Nach seinem Sieg will er sich als Brückenbauer zeigen. Das wird schwierig.

Wien. Dieser Sieg ist eine faustdicke Überraschung. Zumindest sein Ausmaß. Alexander Van der Bellen schien selber etwas verwirrt. "Ich habe schon gehofft, dass es gut geht", so die typisch trockene Reaktion des 72-jährigen Wirtschaftsprofessors beim Eintreffen in der Hofburg.

Ein langer Händedruck mit FPÖ-Kontrahent Norbert Hofer vor laufenden Kameras war dann gleich ein erste Geste mit fast programmatischem Charakter. Er wolle, dass die Menschen ihn künftig als "unser aller Präsident" bezeichneten. Die Rolle des Brückenbauers wird Van der Bellen nach einem überaus langen und teilweise sehr harten Lager-Wahlkampf sowieso zufallen. Auch Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzender Christian Kern betonte gleich in seiner ersten Reaktion, dass sich an diesem Abend niemand als Verlierer sehen solle. Ein Versuch, die FPÖ-Klientel zu befrieden.

Das kleinere Übel?

"Die Polarisierung ist nicht automatisch weg", sagte der Politologe Peter Filzmaier im ORF. Für viele Bürger war Van der Bellen im Vergleich zu Hofer laut ersten Analysen wieder nur das kleinere Übel. 42 Prozent seine Unterstützer wählten ihn, weil sie Hofer verhindern wollten. Immerhin hat sich damit der Anteil echter Fans sogar vergrößert. Bei der ersten Stichwahl am 22. Mai hatten 52 Prozent aus diesem Motiv dem ehemaligen Grünen-Chef ihre Stimme gegeben. Die Kernwählerschaft der Grünen liegt in Österreich seit Jahren bei rund 12 bis 15 Prozent.

Seine "Heimat"-Kampagne mit neu gekauftem Trachten-Sakko hat Van der Bellen nun auch auf dem Land viele neue Stimmen gebracht. In fast allen Gemeinden konnte der 72-Jährige im Vergleich zum Mai laut Hochrechnung zulegen. In Wien baute er seinen schon damals großen Vorsprung sogar noch aus - auf 65 Prozent. Zuvor waren es 63 Prozent. Die Establishment-Vorwürfe von Hofer und dessen Anti-Ausländer-Kurs verfingen in der Multikulti-Millionen-Metropole an der Donau am allerwenigsten.

Für Van der Bellen ist die Versöhnungsaufgabe spätestens bei der nächsten Parlamentswahl eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Er hat sich im Vorfeld der Präsidentenwahl dazu verpflichtet, eine FPÖ-Regierung unter ihrem Chef Heinz-Christian Strache zu verhindern. Er werde auch einen etwaigen Wahlsieger Strache nicht mit der Regierungsbildung beauftragen, hatte Van der Bellen versprochen. Für diese Art von Demokratieverständnis hatte ihn Hofer "faschistischen grünen Diktator" genannt. Die Gräben sind tief.

Ich habe schon gehofft, dass es gut geht.Alexander Van der Bellen
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