21.03.2017 - 15:26 Uhr
Deutschland & Welt

Jugendstrafen wegen Bombenanschlags auf Sikh-Tempel: Hass auf andere Religionen als Tatmotiv

Essen. Wegen eines Bombenanschlags auf einen Tempel der Sikh-Religion in Essen sind drei Jugendliche zur Jugendstrafen verurteilt worden. Das berichtete ein Sprecher des Landgerichts aus dem nicht-öffentlichen Verfahren. Motiv der Tat sei Hass auf andere Religionen gewesen, stellten die Richter fest. Die drei hätten "intensiven Kontakt in die salafistische Szene" gehabt und sich über Monate und Jahre hinweg radikalisiert. Für einen unmittelbaren Kontakt zur Terrorgruppe Islamischer Staat habe der Prozess aber keine Anhaltspunkte ergeben.

Die Spuren des Bombenanschlags auf das Gebetshaus der Sikh-Gemeinde in Essen. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Ein Angeklagter aus Gelsenkirchen wurde zu sieben Jahren, einer aus Essen zu sechs Jahren und neun Monaten verteilt. Die beiden sollen die selbstgebastelte Bombe vor einer Eingangstür des Tempels gezündet haben. Das Gericht wertete das als versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Ein Jugendlicher aus dem niederrheinischen Schermbeck wurde wegen Verabredung zum Mord zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt. Er soll an Planung und Vorbereitung beteiligt gewesen sein. Die Verteidigung des Jugendlichen aus Gelsenkirchen kündigte an, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Bei dem Anschlag am 16. April 2016 wurden drei Menschen verletzt, darunter der Priester der Gemeinde. Er erlitt einen offenen Bruch am Fuß. Der Sachschaden beläuft sich laut Gericht auf rund 135 000 Euro. Die Angeklagten aus Gelsenkirchen und Essen hätten ausgesagt, dass sie die Bombe zwar platziert hätten, aber nur hätten "erschrecken" und niemanden töten wollen, berichtete der Gerichtssprecher. Der Jugendliche aus Schermbeck will demnach mit der Tat nichts zu tun gehabt haben.

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