10.10.2017 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Kataloniens Regierungschef setzt Unabhängigkeit vorerst aus Puigdemonts Rückzieher

Barcelona. Der Regierungschef von Katalonien, Carles Puigdemont, hat die angekündigte Unabhängigkeit von Spanien verschoben. Er setze den Unabhängigkeitsprozess aus, um in den nächsten Wochen einen Dialog und eine Vermittlung mit Madrid einzuleiten, sagte der 54-Jährige am Dienstag vor dem Regionalparlament in Barcelona.

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont vor seiner Rede. Bild: Manu Fernandez/AP/dpa
von Agentur DPAProfil

Am Sonntag vor einer Woche hatte Puigdemont ungeachtet eines Verbots durch das Verfassungsgericht und gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid ein Referendum über die Unabhängigkeit abhalten lassen. Bei der von den Gegnern der Abspaltung boykottierten Befragung gewann das "Ja"-Lager mit rund 90 Prozent, die Beteiligung lag jedoch bei nur 43 Prozent. Dennoch reklamierte Puigdemont anschließend, damit habe Katalonien das "Recht auf Unabhängigkeit" erlangt.

Puigdemont kritisierte bei seiner Rede die Zentralregierung in Madrid heftig. Diese habe jeden Versuch des Dialogs von Seiten Kataloniens abgelehnt: "Die Antwort war immer eine radikale und absolute Weigerung, kombiniert mit einer Verfolgung der katalanischen Institutionen", sagte der katalonische Regierungschef. An alle Spanier gerichtet fügte er hinzu: "Wir sind keine Verbrecher, keine Verrückten, keine Putschisten."

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