09.03.2018 - 13:54 Uhr
Deutschland & Welt

Kim Jong Un und Donald Trump erklären sich zu Treffen bereit Gespräche statt Raketentests

Washington/Seoul. Es ist nichts weniger als ein politischer Supercoup, der am Donnerstag um 19.12 Uhr Ortszeit jäh und unerwartet über Washington hereinbricht. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sich zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump bereit erklärt. Und der sagt zu. Doch mahnen Experten, dass damit im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erst ein diplomatischer Etappensieg auf einem langen, schwierigen Weg errungen wurde, dessen Ende noch ungewiss ist.

Ein Mann blickt in einer Bahnstation in Seoul auf einen Bildschirm, auf dem Bilder von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un gezeigt werden. Bild: Ahn Young-Joon/dpa
von Agentur DPAProfil

Die von Südkorea vermittelte Zusammenkunft wäre historisch: Noch nie hat sich ein amtierender US-Präsident mit einem der drei bisherigen Machthaber aus der Kim-Dynastie getroffen, die seit 70 Jahren über die Menschen im Norden der geteilten koreanischen Halbinsel herrscht. Es ist nicht lange her, da schienen die beiden zutiefst verfeindeten Staaten immer schneller auf eine Wand zuzurasen. Ihr Streit ist der gefährlichste Konflikt der Welt, die internationale Gemeinschaft fürchtete eine atomare Eskalation. Sind das jetzt dagegen die ersten Anzeichen dafür, dass Kim im Streit um das Atom- und Raketenprogramm des Landes die Waffen strecken könnte oder ein Eingeständnis, dass er sich bisher auf einem Holzweg befunden habe? Viele Fragen bleiben offen.

Noch am Donnerstagabend relativiert ein ranghoher Mitarbeiter der US-Regierung die jüngsten Entwicklungen. Man rede jetzt noch nicht über Verhandlungen. Es sei erstmal nicht mehr als ein Treffen von Angesicht zu Angesicht. Die USA bestünden auf einer vollständigen Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Mit weniger werde man sich nicht zufrieden geben. Trump selbst schreibt auf Twitter, Kim habe in seinen Gesprächen mit Südkorea von einer Denuklearisierung gesprochen, nicht nur von einem Einfrieren des Atomwaffenbestands. Es sei großer Fortschritt erzielt worden, aber die Sanktionen würden aufrechterhalten, bis eine Abmachung erreicht sei.

Südkoreas Präsident Moon Jae In, dessen Nordkorea-Diplomatie dazu beigetragen hat, dass die Zusagen Kims und Trumps zustande kamen, klingt da optimistischer. Er sieht das vorgeschlagene Treffen zwischen beiden als wichtigen Anstoß dafür, einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu schaffen.

Nordkorea ergriff die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Februar als Chance, sich zunächst wieder Südkorea anzunähern. Kim Jong Un schickte eine ranghohe Delegation, seine Schwester Kim Yo Jong eingeschlossen, zur Eröffnung der Spiele, um unter anderem Moon nach Pjöngjang einzuladen. Beobachter sahen in der Charmeoffensive auch eine mögliche Absicht Kims, sein Land aus den Fesseln der harten internationalen Sanktionen zu befreien. Im Gegenzug erwiderte Moon die Geste der Versöhnung nach den Spielen mit der Entsendung eigener Emissäre nach Pjöngjang.

Heraus kamen historische Vereinbarungen. Vor dem Treffen zwischen Kim und Trump wollen zunächst Moon und Kim im April zum dritten gesamtkoreanischen Gipfeltreffen zusammenkommen. Die Sondergesandten Moons teilten nach ihren Gesprächen in Pjöngjang Anfang dieser Woche außerdem mit, Kim habe angedeutet, mit den USA über die Schaffung einer atomwaffenfreien Halbinsel reden zu können. Welche weiteren Gegenleistungen Kim dafür verlangt, ist noch unklar. Aber Kim habe bekräftigt, dass er Sicherheitsgarantien wolle, hieß es.

Immer wieder hatte die autokratische Führung in Pjöngjang in den vergangenen Jahren betont, die Atomwaffen des Landes seien nicht verhandelbar - auch nicht für Milliarden von Dollar. Die internationale Gemeinschaft kritisierte Pjöngjang dafür, fast alle Ressourcen ins Militär zu stecken, während die meisten Menschen des Landes in großer Armut lebten.

Das Atomprogramm gilt politisch als Garantie für das Überleben der Führung. Militärisch wähnt sich Nordkorea damit unangreifbar. Ziel war es stets, Raketen zu entwickeln, die einen Atomsprengkopf bis auf das Festland der USA tragen können. Nordkorea sieht sich dazu bereits imstande. Washington wird eine feindselige Politik unterstellt.

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