16.05.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kinder aus Brasilien Opfer von Sexualverbrechen - Vier Jahre Haftstrafe Missbrauch durch "Papa"

Vier Tage lang starrte der Mann teilnahmslos vor sich hin und zeigte keinerlei Regung, als ihn die Erste Strafkammer beim Landgericht Amberg vier Jahre hinter Gitter schickte. Dem 59-Jährigen aus einem Ort bei Neunburg konnten zwei Verbrechen des sexuellen Kindesmissbrauchs nachgewiesen werden.

von Autor HWOProfil

Der Fall, von der Strafkammer bis ins Detail erörtert, bedarf der Aufarbeitung. Denn die Taten rückten fast schon in den Hintergrund angesichts des Umstands, dass es dem Beschuldigten gelungen war, zwei kleine Mädchen aus Brasilien nach Deutschland zu bringen. Wie das geschah, haben wir berichtet: Er ging in Südamerika mit ledigen Müttern zu Behörden, ließ sich wahrheitswidrig als leiblicher Vater eintragen und brachte die vier und zehn Jahre alten Kinder zu sich in die Oberpfalz. Beide trugen ab dann seinen Familiennamen, nannten ihn "Papa".

Ehe bahnt Verbindung an

In ihrer Urteilsbegründung schilderte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber zunächst sehr umfangreich, wie die Geschichte begann. Der Mann, so sagte sie, sei mit einer Brasilianerin verheiratet gewesen. Aus dieser Ehe stammte ein heute zehn Jahre alter Sohn. Später ging die wesentlich jüngere Frau zurück in ihre Heimat und starb dort. Aus der Ehe resultierten Verbindungen nach Brasilien. Im letzten Jahr tauchte der heute 59-Jährige dann in dem südamerikanischen Land auf, wobei er es darauf abgesehen hatte, kleine Kinder zu sich nach Deutschland zu bringen. "Er anerkannte die Vaterschaft, leistete Zahlungen", sagte die Richterin wörtlich. Die Mütter, fügte sie hinzu, seien damit einverstanden gewesen, dass ihre Töchter fortan in einem Land mit besseren Chancen leben sollten.
Gemeinsam mit einer aus Brasilien stammenden Dolmetscherin hatte Roswitha Stöber versucht, zwei wichtige Zeuginnen aus Südamerika kommen zu lassen. "Wir hatten deren Erscheinen kaum für möglich gehalten", berichtete sie jetzt und fügte hinzu, dass die beiden am Montag erschienenen Frauen aus Sao Paulo den Angeklagten erheblich belastet hätten. Sie, die 2011 als Au-Pair-Mädchen bei dem 59-Jährigen beschäftigt waren, hatten Beobachtungen gemacht und ihre Erlebnisse der Kammer geschildert. Aus diesen Angaben ließen sich zwei Missbrauchshandlungen an dem vierjährigen Kind aus Brasilien nachweisen.

Mehr nicht nachweisbar

Dem Angeklagten hielt die Richterin zugute, dass er bisher straffrei durchs Leben ging. Sie rechnete ihm belastend an, "dass diese beiden Kinder nur portugiesisch sprachen" und er das ihm entgegengebrachte Vertrauen schlimm missbraucht habe. Dann folgte ein wesentlicher Satz: "So war es auch nicht, dass dies alles nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen sein soll, wie er uns ganz zum Schluss in seinem Geständnis mitgeteilt hat." Damit verdeutlichte sich, dass die Richter durchaus den Verdacht auf eine Reihe von Missbrauchsverbrechen hegten. Doch nachzuweisen war das nicht. Der 59-Jährige wird nach Verbüßung seiner Haft wohl nicht mehr in die Oberpfalz zurückkehren. Als Wohnsitz hatte er zu Prozessbeginn einen Ort in Oberfranken genannt. (Kommentar)

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